Die Tage werden kürzer, die Temperaturen niedriger, der Herbst ist da und für mich als Naturfotograf bedeutet das, raus in die klare Herbstnacht. Schon seit mittlerweile acht Tagen verfolge ich die Hirschbrunft in den Stubaier Alpen. Zu meinem Bedauern bisher leider mit mäßigem Erfolg. Doch an Tag neun sollte sich das ändern.

Um 02:50 Uhr klingelt mein Wecker. Viel zu früh, denn lieber würde ich mich jetzt noch einmal unter der warmen Decke umdrehen. Mein Ehrgeiz jedoch lässt mich keine weitere Sekunde schlafen. Ich stehe also auf, packe meinen Rucksack mit all dem schweren Fotoequipement und tauche ein in die kühle, klare Herbstnacht. Klarerweise ist es noch finster und beim Aufstieg durch den stockdunklen Wald vernehme ich die ersten röhrenden Hirsche. Ich bin also guter Dinge, dass es heute klappt.

Es bereitet ein absolutes Gänsehautfeeling, wenn man sich vorsichtig seinem Ansitz nähert und das Röhren der Hirsche immer lauter wird. Jeden Tag bekommt man so etwas ja nicht zu hören. Als ich die Waldgrenze erreiche, schweift mein Blick über die Nebelschwaden im Tal. Die Dämmerung setzt ein, alleine für diese Aussicht lohnt es sich schon fast aufzustehen. Ich beziehe meinen Ansitz, es macht mich allerdings nervös, dass ich vorsichtig meine Kameraausrüstung aufbaue wenn hinter mir die Hirsche bereits aus dem Wald röhren.

Mit prüfendem Blick betrachte ich die Brunftarena, dabei erkenne ich die ersten Hirschsilhouetten. Das Röhren wird nun immer stärker und stärker. Die ersten Hirsche betreten auch schon die Brunftarena, doch leider ist noch zu wenig Licht um zu fotografieren.

Angespannt warte ich auf besseres Licht und genieße den Anblick der röhrenden Hirsche. Das Fotolicht wird endlich besser und ich versuche vorsichtig die ersten Bilder zu schießen. Eine Hirschkuh verlässt gemeinsam mit ihrem Hirschkalb den Einstand und wechselt auf den freien Brunftplatz. Angespannt warte ich bis ein Hirsch im Anschluss den Brunftplatz betritt.

Es ist ein absolut wnderschöner Anblick wie er sich grazil zum Platz bewegt und dabei die ersten Sonnenstrahlen die Bergspitzen küssen. Währenddessen halten sich die Nebelschwaden im Tal noch. Noch ist es sehr kalt, ich kann jeden Atemzug in der kühlen Luft sehen. Und mit jedem Atemzug steigt auch die Anspannung. Nun geht es Schlag auf Schlag. Die Hirschkuh und ihr Kalb nähern sich dem Ansitz.

Plötzlich wechselt der Hirsch auf den Brunftplatz. Er lässt einen prüfenden Blick Richtung Ansitz schweifen. Anschließend erhebt er sein Haupt und röhrt in meine Richtung. Das war der richtige Moment um ein einzigartiges Bild aufzunehmen.

Für mich entstand in diesem Augenblick eines meiner Lieblingsbilder (siehe Titelbild) vom Rotwild.

Ich kontrolliere am Kameradisplay ob ich das Bild auch richtig eingefangen habe und verharre beobachtend in meinem Ansitz. Dabei genieße ich die wunderschönen Herbstfarben. Als die ersten Sonnenstrahlen nun auch meinen Ansitz erreichen, wird es deutlich wärmer. Das Röhren der Hirsche verblasst langsam und die Tiere ziehen sich in ihre Einstände zurück. Vorsichtig verlasse ich meinen Ansitz und steige wieder ab.

Die Hirschbrunft ist ein sehr imposantes Schauspiel und wenn dabei auch noch solche Bilder entstehende, kann ich sehr zufrieden sein. Die Strapazen haben sich gelohnt und lassen sich schnell vergessen. Jedoch zerrt es schon manchmal sehr an der Substanz, wenn man Tage lang keinen Erfolg verzeichnet. Als Naturfotograf darf man sich eben auch nach acht erfolglosen Tagen einfach nicht unterkriegen lassen und den Ehrgeiz verlieren. Denn jede Minute in unserer wunderschönen Natur ist es wert, jeden Tag aufs Neue in ein Abenteuer zu starten.

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