Morgens Kühe füttern und melken, tagsüber die Skifahrer und Snowboarder am Skilift im Auge behalten und abends wieder in den Stall – für Leonhard Hofer vom Winklhof in Neder ist das Alltag im Winter. Ein Alltag, den er nicht missen möchte und auf den er sich im Herbst schon wieder freut.

Leonhards Arbeitstag hat 16 Stunden mindestens und beginnt um fünf Uhr früh im Stall. 40 Stück Vieh versorgt er am Hof: Füttern, melken und ausmisten – das Übliche. Gerade einmal zehn Minuten bleiben für einen Kaffee mit seiner Frau Petra, dann wartet schon der Bus nach Mutterberg. „Das geht sich nur aus, wenn alles passt. Gibt es einmal Probleme in der Landwirtschaft, zum Beispiel mit einem der Tiere, gibt es viel Verständnis bei meinem Arbeitgeber, der Stubaier Gletscherbahn, und darüber bin ich sehr froh“, erzählt der Nebenerwerbsbauer. Seit 22 Jahren ist Leonhard Liftler und heute noch mit der gleichen Begeisterung dabei, wie bei seinem ersten Winter als 16-Jähriger. „Die Abwechslung, das macht es aus“, ist der Stubaier überzeugt. Zum einen die Familie und der Hof und dann die Arbeit mit den Gästen aus vielen Ländern: „Das sind unterschiedliche Welten, das taugt mir.“ Leonhard hat wohl einen der höchstgelegenen Arbeitsplätze Österreichs – der Schlepplift Gaisskarferner am Stubaier Gletscher auf über dreitausend Meter Seehöhe.

Viel Verantwortung
Leonhards Lift ist direkt neben dem „Stubai Zoo“, dem Funpark am Stubaier Gletscher. Hier trifft sich alles: Jung und Alt, Könner und Anfänger, Skifahrer und Snowboarder – und der Liftler hat sie alle im Blick. „Die Verantwortung am Schlepplift ist groß und die Arbeit wohl etwas mehr als bei anderen Bahnen“, ist sich Leonhard bewusst. Schleppliftfahren sei eben nicht ganz so einfach. Gerade Anfänger hätten da ihre Probleme. Mit Geduld und Humor erklärt der Liftler, wie‘s geht und hilft bei den ersten Versuchen. Auch wenn es noch so turbulent zugeht, lassen er und sein Kollege an der Bergstation die Wintersportler am Lift nie aus den Augen und sind immer sprungbereit. Die „Roten Buzzer“, von denen es gleich mehrere an der Berg- und Talstation gibt, sind eines der wichtigsten Arbeitsutensilien der Liftler. Der Notfall-Stopp muss so schnell wie möglich gedrückt werden, falls jemand in der Liftspur zu Sturz kommt. „Am Schlepplift bist du weit mehr als nur ein Liftler. Der eine braucht ein Pflaster, der Nächste will wissen wie einer der Berge heißt und einem anderen musst du den Weg erklären“, erzählt Leonhard von den täglichen Herausforderungen.

Wo ist das Murmeltier?
Doch trotz der großen Verantwortung dürfe aber der Spaß auch nicht fehlen, freut sich Leonhard schelmisch: „Jedes Mal, wenn ich das Murmeltier oder den Fuchs irgendwo im Schnee aufstelle, herrscht rund um die Liftstation helle Aufregung. Da gibt es oft die heißesten Diskussionen, ob es denn nun lebendige Tiere seien oder nicht.“ Die Tierpräparate sehen täuschend echt aus und sind vor allem für Kinder eine große Überraschung.

Wenn sich gegen Abend das Skigebiet wieder leert, achten die Liftler darauf, dass auch wirklich alle Gäste rechtzeitig den Weg ins Tal finden. „Da musst du auch schon mal ein Kind tragen, die sind oft fix und fertig“, erzählt der Liftler von berührenden Momenten am Berg.

Wieder zuhause angekommen bleibt vielleicht eine halbe Stunde, um mit seiner Frau den Tag Revue passieren zu lassen, dann warten schon wieder die Tiere im Stall. „Wenn du so gegen halb zehn fertig bist, fallen dir manchmal schon die Augen zu“, gesteht Leonhard. Aber am nächsten Tag brennt um fünf Uhr früh schon wieder das Licht im Stall, und das nicht nur am Winklhof.

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