Bei Urlaubern und Einheimischen gleichermaßen und allgemein mit steigender Tendenz beliebt, belegt der Kaspressknödel im deftigen Hüttenranking den vierten Platz. Grund genug, mich auf die Suche nach einem besonders schmackhaften Rezept zu machen. Wo ich dieses finde: auf der Neuen Regensburger Hütte.

Der Ruf des Kaspressknödels ereilt mich an einem schönen Sommertag und ich folge ihm. Mit gepacktem Rucksack begebe ich mich nach Falbeson, einem Neustifter Ortsteil. Von hier aus führt die mittelschwere Route über die urige Falbesoner Ochselnam in knappen 2,5 – 3 Stunden zur Neuen Regensburger Hütte.

Der Ausgangspunkt liegt auf 1.230 Meter, mein Ziel auf 2.284 Meter. Auf der 4,1 Kilometer langen Strecke, bewältige ich 1.151 Meter im Aufstieg und 106 Meter im Abstieg. Keine Mammut-Tour aber immerhin so ergiebig, dass ich später ohne schlechtem Gewissen Kaspressknödel schlemmen kann. Eventuell geht sich sogar noch eine Nachspeise aus.

Atemberaubend schön präsentiert sich die Stubaier Bergwelt, während ich die etlichen Serpentinen hinauf wandere. Immer wieder bleib ich stehen, es ist allerdings nicht mangelnde Kondition, viel mehr genieße ich die herrliche Aussicht und die Stille. Einfach auf einem Stein zu sitzen und auf die umliegenden Gipfel zu blicken gibt die Ruhe, die man im hektischen Alltag oftmals vermisst. Die Almrosen blühen, die Gischt des Wasserfalls glitzert im Sonnenlicht – wenn sich jetzt noch ein neugieriges Murmeltier herauswagen würde, dann wäre die alpine Postkartenidylle perfekt. Aber je länger ich sitze, desto stärker höre ich ihn. Der Kaspressknödel, er ruft schon wieder.

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Noch ein paar Serpentinen mehr und schon komme ich zu den letzten Steilstufen zur Neuen Regensburger Hütte. Dort nehmen mich die Wirtsleute Martina und Herbert Ofer auch gleich herzlich in Empfang.

Nach einem schnellen Hollerwasser (hausgemacht aus selbstgesammelten Hollunderblüten) geht es für mich direkt in die Küche der Alpenvereinshütte. 1930 und 1931 wurde sie von der Sektion Regensburg des Deutschen Alpenvereins erbaut. Die Neue Regensburger Hütte ist ein Stützpunkt für zahlreiche Hochgebirgstouren sowie eine Etappe des Stubaier Höhenwegs.

Doch bevor ich auch nur an eine weitere der insgesamt sieben Stubaier Höhenweg Etappen denken kann, heißt es für mich: anpacken! Koch Markus hat die Zutaten für den Kaspressknödel mit Salat schon bereit gestellt:

1 kg Knödelbrot (altbackene Semmel)
100 g frischer Graukäse
250 g geriebener würziger Käse
8 Eier
feingehakte Kräuter (Petersilie, Majoran, Liebstöckl)
200 ml Milch
Salz und Pfeffer
(Diese Menge reicht für 4 Personen)

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Markus erklärt dann wie folgt:

„Zuerst werden die alten Semmel kleingeschnitten und mit den feingehakten Kräutern vermengt. Im Anschluss geriebenen Käse hinzufügen und den Graukäse darüber bröseln. Im Anschluss Eier und erwärmte Milch dazu geben.

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Nun die Masse salzen und pfeffern. Das Ganze gut vermengen und mit befeuchteten Händen runde Knödel formen. Die runden Knödel platt drücken. So erhalten sie die typische „Pressform“. Die Kaspressknödel in heissem Fett herausbacken bis sie goldbraun sind. Mit Salat garnieren und servieren.“

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Gleich darf ich auch schon probieren. Dafür setze ich mich auf die Sonnenterrasse, genieße und blicke auf das „Hohe Moos“. Geschmack und Aussicht: einfach genial!

„Die Hochebene ist ideal für mehrtägige Aufenthalte. In der Nähe zur Hütte haben wir Kletterblöcke und einen kleinen See. Vor allem die Kinder lieben es darin zu baden oder auch einmal mit dem Floss zu fahren“, erklärt mir Martina während sie mir noch einen zweiten Kaspressknödel bringt.

Ich kann es mir in der Tat vorstellen auch mal eine Nacht hier oben zu bleiben. Heimaturlaub hat was und macht man eh viel zu selten. Die Unterbringung erfolgt in Mehrbettzimmern bzw. Bettenlager je Wetterlage von Juni bis Ende September. Um das Gepäck braucht man sich außerdem keine Sorgen machen, Gepäcktransport ist möglich. Und die Küche hab ich ja schon selbst getestet: schmeckt hervorragend!

Ui, beinahe hätte ich vor lauter gutem Kaspressknödel die Nachspeise vergessen. Gott sei Dank bin ich auch hier bei Martina gut aufgehoben. Täglich bäckt die Hüttenwirtin fünf bis sechs verschiedene Kuchen wie Zwetschgen- oder Marillenfleck, Erdbeercreme-Kuchen, Schoko-Nusskuchen, Torten wie Schokomustorte, Topfenhimbeer-Torte bzw. Apfel- und Topfelstrudel, die mich vom Kuchenbuffet aus direkt anlachen. Ich entscheide mich für die Mohn-Eierlikörtorte.

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Auch dieser mundet ausgezeichnet, noch ein Grund mehr, schnell wieder zu kommen.

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