Schon lange bevor ich ins Stubaital gezogen bin, ist mir das markante dreizackige STUBAI-Logo, das die Serles symbolisiert, immer wieder mal untergekommen. Sei es in der Werkstatt meines Vaters, wo Schraubenzieher, Kellen, Spachteln und vieles mehr mit dem Zeichen zu sehen waren oder auch bei unserer ersten Berg-Tour mit Pickel und Steigeisen von STUBAI. Mehr als 20 Jahre später hatte ich nun endlich auch einmal persönlich die Gelegenheit mir das Unternehmen etwas genauer anschauen und einen Blick hinter die Kulissen der Weltmarke werfen zu dürfen.

STUBAI aber nur an einer Firma festzumachen wäre vermessen und würde dem Konzern nicht gerecht werden. Unter der Marke STUBAI muss man sich einen genossenschaftlichen Zusammenschluss von metallverarbeitenden Unternehmen vorstellen. 1897, also vor genau 120 Jahren, ist dieser Zusammenschluss von Schmieden, Schlossern, Werkzeugmachern und Spenglereien vollzogen worden. Heute besteht STUBAI aus 21 Mitgliedsbetrieben –  einige davon bereits in dritter und vierter Generation – die allesamt im Stubaital ansässig sind, hier produzieren und von hier aus in alle Welt exportieren.

Die operativen Tätigkeiten der Muttergesellschaft „STUBAI Werkzeugindustrie reg. Gen.m.b.H.“ werden von den zwei Tochterfirmen übernommen: Das sind zum einen die STUBAI KSHB (Kompetenzzentrum Schmieden, Härten, Bearbeiten) GmbH und zum anderen die STUBAI ZMV (Zentrale für Marketing und Vertrieb) GmbH. Wobei die KSHB, wie der Name bereits vermuten lässt, die Hardware anfertigt und die ZMV den Vertrieb der Waren übernimmt. Hierfür hat sie auch die 100-prozentige Lizenzvergabe vom Mutterkonzern übertragen bekommen.

Alexander Durda, Geschäftsführer der ZMV GmbH und schon seit mehr als 25 Jahren im Konzern, hat mich herumgeführt. Angefangen haben wir bei der STUBAI KSHB GmbH, wo der Lebenszyklus eines Metallerzeugnisses quasi beginnt.

Obwohl ich fast täglich am Gebäude der KSHB im Industriegebiet in Fulpmes/Medraz vorbeifahre, hätte ich nie gedacht, dass sich hinter der eher schlicht gestalteten Fassade ein solch verzweigter Industriekomplex für Eisenwarenerzeugung verbirgt. In meiner veralteten, etwas naiv anmutenden Vorstellung von Schmieden, habe ich rauchende Schornsteine sowie Hämmer, die auf heißes Metall fallen und dabei Funken herumfliegen lassen vor Augen. Das mit den Hämmern und den heißen Metallteilen ist auch in Medraz so, die qualmenden Schlote sucht man hier aber vergebens. Umweltbewusstsein ist der traditionsreichen Genossenschaft ein sehr wichtiges Anliegen.

Gemeinsam mit Alexander gehe ich durch die haushohen Lagerhallen in denen Gesenkteile – das sind Formblöcke in die das heiße Metall gepresst oder gehämmert wird – fein säuberlich in Regalen gelagert sind. Weiter durch das Materiallager, wo lange Stangen aus verschiedenem Stahl und Aluminium gestapelt aufeinander liegen, und schließlich zu den Hallen mit den tonnenschweren Fallhämmern, Spindel- und Kurbelpressen, die – wie oben erwähnt – den heißen Stahl mit ohrenbetäubenden Lärm in Form bringen. „Die Hämmer stehen auf unterirdisch angebrachten Federn. Ansonsten würde hier die ganze Halle bei jedem Schlag erzittern und beben“, schreit Alexander mir zu, während wir neben den kolossalen Geräten stehen.

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In Sachen Metall fertigt die KSHB gemeinsam mit bzw. für ihre Kunden und Mitglieder alles von der Pike auf an. Von der Konstruktion und Entwicklung über das Schmieden von Eisenteilen, dem Härten der Erzeugnisse, der Bearbeitung mit Fräsen oder Drehmaschinen, bis hin zur Lieferung von vormontierten Bauteilen kann die KSHB alles aus einer Hand bieten. Die Erzeugnisse durchlaufen dabei eine permanente Qualitätsprüfung. Nicht umsonst ist die STUBAI Werkzeugindustrie reg. Gen.m.b.H. Staatswappenträger und auch die STUBAI ZMV GmbH mit dem österreichischen Gütezeichen ausgezeichnet worden. Die Montage und der Zusammenbau von den so hergestellten Teilen kann ebenfalls von Mitarbeitern im Haus übernommen werden. Summa summarum werden in dem Betrieb in einem Jahr ca. 10.000 Tonnen Material, in etwa 50 Tonnen pro Tag, im Schichtbetrieb verarbeitet.

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Ab Werk wird der Großteil der Waren dann direkt an externe Auftraggeber verschickt. Unter anderem gehören da international bekannte Unternehmen aus der Motorrad-, Automobil- und Seilbahnindustrie mit dazu und sie alle greifen auf Qualitätsprodukte aus dem Stubaital zurück. Die restlichen produzierten Schmiederohteile werden von den Mitgliedsbetrieben abgeholt, zu Werkzeugen der Marke STUBAI be- und verarbeitet und über die ZMV GmbH international vertrieben. „Ungefähr 70 Prozent der Erzeugnisse werden direkt an Industriezulieferer exportiert. Zirka die Hälfte der Endprodukte landet dann in Europa und die andere Hälfte im Rest der Welt“, klärt mich Ernst Dummer, Geschäftsführer der KSHB GmbH, am Ende unseres Besuchs noch auf.

Dafür dass die Erzeugnisse in aller Welt landen ist selbstverständlich der Vertrieb zuständig und das erledigt, wie erwähnt, die STUBAI ZMV GmbH, zu dessen Zentrale wir dann im Anschluss gleich weiter gefahren sind. Sie ist in Fulpmes in einem modern umgebauten Gebäude untergebracht. Dort befindet sich auch die Verwaltung, ein Fachgeschäft und ein wunderschöner, vielseitiger Seminar- und Tagungsbereich im Dachgeschoß, wo mir Alexander dann alles über die Vermarktung und den Vertrieb der STUBAI Werkzeuge und Waren erklärt hat. Wenn wir von Waren sprechen, dann handelt es sich dabei um Erzeugnisse aus insgesamt zehn Produktgruppen in mannigfaltigen Ausführungen. Alleine bei den Kellen aus der Gruppe Bauwerkzeug gibt es 500 (!) Formen in 10 verschiedenen Größen.

Im Vertrieb wird nichts dem Zufall überlassen. STUBAI hilft bei der Disposition, der Distribution sowie der Präsentation seiner Produkte. Wie effektiv die Platzierung und die Größe des Sortiments beispielsweise in Baumärkten vorgenommen werden kann, hat mir Alexander in einem eigens eingerichteten Schauraum, bei dem ein jeder Tim Taylor im Mann ausflippen würde, gezeigt. In dem Raum standen Wände die mit Schraubenziehern, Zangen, Kellen, Messern und noch vielen handwerklichen Gerätschaften mehr behangen waren. Anhand dieser „Displays“ kann das Sortiment je nach Größe und Verfügbarkeit des Platzes beim Kunden individuell angepasst werden.

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Die meisten Produkte setzt STUBAI in den Sparten Spenglerei, Bau- und Forstwirtschaft um. Erforscht und entwickelt werden sie direkt im Gebrauch und nicht in irgendwelchen Labors – also unter realen Bedingungen. Handwerksbetriebe aller Art und sogar Schulen wie die HTL für Schnitzerei oder die HTL für Bau & Design werden so mit Werkzeugen von STUBAI ausgestattet. In weiterer Folge entwickelt STUBAI dann auf Basis derer Rückmeldungen die Materialien, Formen und Ausstattungen der Werkzeuge weiter und passt sie an die jeweiligen Anwendungen an.

Ein relativ junges Betätigungsfeld der Zentrale für Marketing und Vertrieb sind Kooperationen mit anderen Marken bzw. die Ausweitung der Produktpallette auf andere Bereiche wie zum Beispiel den Textil- und Bekleidungsbereich. Dem ein oder anderen ist sicherlich schon aufgefallen, dass man nun auch in Geschäften einer großen tirolerischen Supermarktkette Bergsportprodukte von STUBAI zu einem fairen Preis kaufen kann. „Wir kooperieren ausschließlich mit starken Tiroler Marken die – wie wir – für eine traditionell hohe Qualität bekannt sind. Sie stehen hoch im Kurs bei den Kunden und damit profitieren wir gegenseitig von diesem Vertrauensvorschuss“, fasst Alexander Durda die Philosophie des Konzepts zusammen. Möglich macht dies die sorgfältige Vergabe von Lizenzen, die, wie eingangs erwähnt, der ZMV GmbH obliegen.

Abschließend denke ich, dass es die Kombination aus dem Zusammenschluss von Experten, die gemeinsam danach streben stets qualitativ hochwertige Erzeugnisse mit gleichbleibender Güte herstellen zu wollen sowie die Entwicklung eines Service- und Vertriebssystems ist, die STUBAI erfolgreich und in aller Welt bekannt und begehrt macht.

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