Pionier, Alpinist, Schriftsteller, Europa-Aktivist und Unternehmer – Heinrich Klier lebt seit Jahrzehnten mit vielen Bezeichnungen und einem bleibenden Gesicht: er hat das Stubaital und den Gletscherskisport maßgeblich geprägt und in der Nähe von Bozen ein Reiterstandbild von Mussolini in die Luft gesprengt.

Heinrich Klier hat in seinem Leben schon viel erlebt… von Südtirol über München zurück nach Tirol und auf den Gletscher. Foto: Andre Schönherr

Dabei hatte Heinrich Klier, Tiroler und Bergsteiger mit Leib und Seele, in den späten fünfziger Jahren und frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch einige mitteleuropäische Wirren hinter sich, im räumlichen und wohl auch etwas im politischen Sinne. Nach der erfolgreichen Sprengung des „Alu-Duce“, dem Mussolini-Denkmal vor einem Kraftwerk in Waidbruck in Südtirol, musste der damalige Südtirol-Aktivist Klier, der sich gegen die damalige politische und ökonomische Marginalisierung Südtirols durch Rom einsetzte, 1961 erstmal nach München ins Exil. Dort arbeitete er als Schriftleiter beim Bergverlag Rother, für den er bereits Jahre zuvor den ersten Alpenvereinsführer über das Karwendel verfasste.

Angefangen hat Klier mit den Liften auf den Glungezer, am Walchsee und auch in Mieders. Foto: Kristina Erhard

Heute, über sechzig Jahre später und in einem Alter, in dem andere schon 20 Jahre lang ihren Pensionistenhobbys nachgehen, geht Heinrich Klier noch immer mindestens einmal pro Woche in sein Büro gleich um die Ecke vom Südtiroler Platz inmitten Innsbrucks. Denn er ist auch heute noch im Vorstand der Wintersport Tirol AG, die er vor 50 Jahren schuf und der zehn Jahre später die Gründung der Stubaier Bergbahnen folgte. Man könnte ihn auch Mr. Stubai persönlich nennen, ohne ihn gäbe es das Skigebiet Stubaier Gletscher nicht, ohne ihn würde das Tal wohl auch anders aussehen. Klier war der Visionär, den das Stubai in den Sechzigern brauchte. Denn das Stubaital wurde damals nicht nur von Lawinenabgängen und Hochwassern geplagt, auch erste Bauernhöfe waren bereits verlassen, die Talflucht setzte ein. Das arme Tal von einst und damals sogar im Notstandskataster des Landes Tirol verzeichnet, gehört heute zu den wohlhabendsten Tälern Tirols – dank des Tourismus. Der Weg dorthin wurde von Heinrich Klier geebnet. Allerdings stieß er bei der einheimischen Bevölkerung auch auf emotionale Widerstände, galt er – wie die Stubaier zwar selbst ein Tiroler – doch als „Einag’schneibta“, als Zugereister: Klier wurde im 15 Kilometer entfernten Zirl geboren.

... und dann kam das Stubai. Der Rest ist Skisport-Geschichte. Foto: Stubaier Gletscher

… und dann kam das Stubai. Der Rest ist Skisport-Geschichte. Foto: Stubaier Gletscher

1972 wurde die erste Straße zum Mutterberg gebaut, wo heute bald die neue, futuristische Talstation der 3S stehen wird. Davor schon hatte Heinrich Klier mit seiner Wintersport AG Lifte am Walchsee und am Glungezer gebaut. Sein Blick jedoch war auf das ewige Eis im hinteren Stubai gerichtet, wo Heinrich Klier schon als junger Bursche Gipfel und Berge gleichermaßen erklomm und er Ende der Sechziger dann die Geschäftsidee einer ertragreichen Seilbahn hinauf auf mehr als 3000 Meter Höhe entwickelte. Vielleicht ahnte er schon damals, dass die Welt im Wandel ist und nur weniges dauerhaft Bestand haben wird.

Heute das größte Gletscherskigebiet Österreichs, waren die Anfänge in den Siebzigern noch bescheidener. Foto: Stubaier Gletscher

Heute das größte Gletscherskigebiet Österreichs, waren die Anfänge in den Siebzigern noch bescheidener. Foto: Stubaier Gletscher

Nicht so der Stubaier Gletscher, er gilt als eines der schneesichersten Skigebiete der Welt, ein Königreich des Schnees, wie sich der Stubaier Gletscher auch nennt. Fakt ist, dass die fünf Gletscher, aus denen das „Königreich des Schnees“ besteht, mit 26 Liftanlagen und 32 Abfahrten heute Österreichs größtes Gletscherskigebiet ist. Und Heinrich Klier seit ein paar Jahren Ehrenbürger von Neustift ist, was ihn besonders freut, so hört man.

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