Und plötzlich rasselt der Hammer nach unten und gibt einem die volle akustische Breitseite. Das symphonische Klingeln deines besten Freundes, auch Wecker genannt, löst um drei Uhr früh einen panischen Gefühlsnotstand aus. Um ehrlich zu sein, es tut einfach nur weh.

Aber sei es drum, der geeichte Wetterfrosch kann mit plötzlich eintretenden Veränderungen naturgemäß bestens umgehen, ein aufziehendes emotionales Gewitter birgt eben immer eine Chance Neuartiges zu erleben. Und seit dieser Nacht fühle ich mich auch als bedeutender Wetterkenner.

Einmal im Jahr machen sich also die besten Wettermoderatoren Europas im Schutze der Dunkelheit auf um von den Bergen Tirols aus viele Live-Momente in die Wohnzimmer der Menschen zu schicken. Dieses Mal ist der Stubaier Gletscher das ausgegebene Ziel. Mitten drinnen bin in diesem Jahr auch ich. Mit neu-gewonnenem Elan ans Werk, packe meine sieben Sachen und gemeinsam mit dem fachkundigen Wettervolk Richtung ewiges Eis. Die zehnte Auflage des legendären Wettergipfels ließ große Vorfreude aufkommen.

Die Impressionen und die majestätischen Züge des Stubaier Gletscher hüllen sich noch in optisches Schweigen, kein Wunder, die Nacht ist noch nicht gewichen. Es ist um vier Uhr noch immer zappenduster. Man lernt eben nie aus. Mit der futuristischen 3S-Eisgratbahn – so zumindest wurde sie mir im Vorfeld beschrieben – ging es schließlich nach oben. Die angegebene „Flugdauer“ wurde aber wetterbedingt überschritten. So schaukelten wir bei drei außerplanmäßigen Stopps im spätherbstlichen Föhnsturm vor uns hin. Aufkommende Sorge oder gar Angst wurde mit Humor und einer gewissen Portion Sarkasmus bekämpft. Schließlich würde ein Absturz eh nicht schmerzen da die Angst aus der Höhe resultiert und diese sieht man in der Dunkelheit ja nicht. Die Wetterfrösche sind eben ein spaßiges Völkchen.

Nach knapp 30 Minuten hatten wir es aber dennoch geschafft. Wohlbehalten fanden wir uns am Drehort ein. Ob Puls4, RTL oder ServusTV – die Wettermoderatoren strahlten mit der noch nicht vorhandenen Sonne um die Wette. So sind die Profis eben. In einem wahren Marathon an Live-Einstiegen wurden die folgenden Stunden nun gefüllt. Die Kreativität kannte bei den Aufnahmen keine Grenzen und wusste zu beeindrucken. Ich wiederum kümmerte mich um die Basis, im übertragenen Sinne war ich die personifizierte Wettergrafik. Kein Wunsch war mir zu viel, keine Hilfe schlug ich aus. Im Gegenteil ich fühlte mich endgültig als Teil der großen Wetterfamilie.

Die Geschichte mit dem großen Hammer war aber dennoch nicht gegessen. Mit Fortdauer des Tages bekam mein Körper zwei, dreimal eine neue Breitseite verpasst. Die Müdigkeit kämpfte sich vermehrt in mein Gesicht. Gegen 23 Uhr klingelte es schließlich wieder, nun war es aber lediglich das akustische Signal zum großen Abschied. Der zehnte Wettergipfel war zu Ende. Körper und Geist aber ebenfalls.

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