Ich liebe einfach den Winter. Skiklamotten an, Helm auf, Ausrüstung schnappen und los geht’s. Wenn ich die Schwünge auf den perfekten Hängen ziehe, dann verspüre ich pure Lebensfreude. Und immer auch etwas Neugier meist gepaart mit Verwunderung.

Genau dann, wenn ich auf dem Sessellift sitze, hinunterschaue und sehe wer sich auf den Abfahrten so tummelt. Ja, die verschiedenen Stereotype auf der Piste sind eine kleine Wissenschaft für sich…

Im Vergleich mit so manchem Wintersportler bin ich unauffällig, fast unscheinbar. Skihose weder zu weit noch zu eng, Jacke sitzt richtig, Helm und Skibrille vorhanden und alles auch in Durchschnittsfarben.

Vielleicht könnte ich mir ein Scheibchen Originalität von einem der nachfolgenden Stereotype (männlich und weiblich gleichermaßen angesprochen) abschneiden, die ich gerne mit einem Augenzwinkern beschreibe. Es soll sich bitte niemand auf den Schlips bzw. die Skispitze getreten fühlen:

 

Der Nostalgische
Leider entdeckt man diese Gattung viel zu selten auf freier Wildbahn. Schade! Der Nostalgieskifahrer frönt den Freuden des frühen Skifahrensn. Nichts da mit Luxus und Chichi, da werden die einfach Holzbretter an den robusten Bergschuh geschnürt und zur gestrickten Wollhose gerne ein Dirndl kombiniert. Einfach so wagen sich die Nostalgieskifahrer nur mehr selten auf die schneeweise Bühne. Aber zu jährlich stattfinden Weißen Wiesn am Stubaier Gletscher, kommen sie immer gerne. Eine – wenn auch weit her geholte – Abspaltung des Nostalgieskifahrers ist der Telemarker. Seine elegante Technik mit den freien Fersen ähnelt dem ursprünglichen Skilauf vielmehr als der heute klassische Pistenskilauf. Top Kondition ist hier ein Muss, selbst probiert und erfolgreich gescheitert!

Der Neonanbeter
Hier gibt es gleich mehrere Untergruppen zu verzeichnen. Einmal jene, die beinahe dem Nostalgie-Skifahrer hinterher eifern und auf ihr heiß geliebtes Outfit im Neon-Chic der frühen 80er und 90er setzen. Kombiniert wird selbiges mit langen Latten, die von einem Carving-Ski so weit entfernt sind wie das Stubaier Zuckerhütl von jenem im Brasilien. Eine weitere Gruppe möchte ihre Individualität im Neon-Vintage-Outfit – gerne auch kombiniert mit Hipsterbart – zum Ausdruck bringen. Beim Ski allerdings wird hier bevorzugt aktuellen Trends gefolgt, der Hauptunterschied zum Neon-Original.

Der Kilometerfresser
Aus dem Weg! Auf dem Weg zum Skigebiet battelt sich der Kilometerfresser bereits mit dem frühen Vogel. Die erste Fahrt mit der Gondel ist für ihn reserviert, ebenso die jungfräuliche Piste nach ihrem nächtlichen Stelldichein mit der Pistenraupe. Der Stubaier Super Skipass ist für ihn die Erfüllung, vier Skigebiete an einem Tag zu erkunden seine Herausforderung. Der Kilometer trotzt Wind und Wetter, immer sein Ziel verfolgend: Möglichst viele Pistenkilometer zu sammeln.

Die Pizzaschnitte
Die Pizzaschnitte gilt als natürlicher Feind des Kilometerfressers. Ungeniert bremst diese gerne alles und jeden aus. Gemeint ist hier der Skifahrer der – egal auf welcher Pistenkategorie – immer im breiten Schneepflug unterwegs ist. Sicherheit geht vor, wobei die Pizzaschnitte sich mit Hilfe eines Skilehrers rasch in eine flotte Pommes verwandeln könnte. Sind die Skier erst einmal parallel gestellt, ist das Skivergnügen umso größer.

Der Schönwetterfahrer
Was, Skifahren, bei Schnee? Das ist ja Irrsinn! Den Schönwetterfahrer mag es wundern, aber für das Skivergnügen braucht es Schnee, echten Schnee von oben. Bei diesen Verhältnissen findet der Schönwetterfahrer selten den Weg in ein Skigebiet. Die kesse Sonnenbrille gegen eine klobige Schneebrille tauschen? Niemals! Und wenn er sich mal doch bei tief winterlichem Wetter in ein Skigebiet verirrt, so trifft man diesen meist in einer Skihütte, angekuschelt an den Kamin. Ist ja auch was Feines!

Das Familienoberhaupt
Merkmal Nummer 1: Der Rucksack. Merkmal Nummer 2: Erhöhter Puls, permanent. Klarerweise, es wuseln kleine Miniskifahrer und die es noch werden möchten um die eigenen Beine herum. Merkmal Nummer 3: Vollgestopfte Hosen- und Jackentaschen. Motivationsgummibärchen, Taschentücher, Sonnencreme, Smartphone für Schnappschüsse, alles immer parat. 4: Freudestrahlendes Gesicht, wenn sich dich ersten Skierfolge des Nachwuchs zeigen. Das Familienoberhaupt kann sich allerdings plötzlich in jeglichen anderen Pistentyp verwandeln, genau dann wenn die Kinder bestens in den Stubaier Skischulen und Skikindergärten wie am Stubaier Gletscher und in der Schlick 2000 betreut werden.

 

 

 

Nach den ersten sechs beschriebenen Skifahrertypen setze ich nun meine Beobachtungstour fort. Gleich stechen mir die Genussskifahrer, die Tiefschneesüchtigen, die Wäscheständer, die Hinterseer, die Trainierer und die Locals ins Auge. Wer oder was sich dahinter verbirgt gibt es in Kürze im Beitrag „Der gewisse Unterschied – Teil 2“ zu lesen. Bis dahin, frohes Skivergnügen!

Bildnachweis:
Illustrationen: L. Draxl
Foto Nostalgie: Stubaier Gletscher/C.Forcher
Foto Neonanbeter: Stubaier Gletscher/A.Schönherr
Foto Pizzaschnitte: Stubaier Gletscher/A.Schönherr
Foto Familienoberhaupt: Stubaier Gletscher/A.Schönherr

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