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Dreieinhalb Jahre sind vergangen seit ich ein unbeschreiblich tolles Bild eines Kauzes von einem bekannten Naturfotografen gesehen habe. Darauf zu sehen war ein Sperlingskauz, die kleinste Eulenart Europas. Das Foto hat mich gedanklich nicht mehr losgelassen und ich wollte unbedingt mehr über diese Tiere wissen. Daraufhin habe ich mich in die Welt der Eulen und Käuze eingelesen und habe mich mit vielen unterschiedlichen Leuten über sie unterhalten. Meine Recherchen haben mich angetrieben und die Thematik hat mich immer mehr fasziniert. Insbesondere in Bezug auf unsere heimischen Wälder.

Wissbegier geweckt

Die Fragen, die sich mir stellten, wurden immer mehr. Ich wollte wissen in welchen Höhenlagen welche Eulenarten vorkommen und leben, welche Wälder bevorzugen sie, welche Arten kommen bei uns in Tirol vor, zu welcher Tages- und Nachtzeit sind sie aktiv, zu welcher Jahreszeit kann man sie sehen, welche unterschiedlichen Rufe haben sie zu welcher Jahreszeit, wo nisten die unterschiedlichen Arten?

Wald- und Feldstudie

Fragen über Fragen, die sich auch nach unzähligen Stunden vor Büchern und beim Surfen im Internet nicht klar beantworten ließen. So habe ich mich vor drei Jahren dann entschlossen meine Recherchen in den Wald zu verlegen. Wochenlang ging ich vor und nach meinem Vollzeitjob in den Forst, um eventuelle Auffälligkeiten wie Kotstellen, Bruthöhlen oder ähnliche Spuren eines Sperlingkauzes zu finden. Ich spulte dabei unzählige Höhenmeter ab und verbrachte endlose Stunden im Wald. Leider alles ohne Erfolg.

Die Nadel im Heuhaufen

Dass es aufgrund der speziellen Eigenschaften dieses Kauzes nicht einfach werden würde einen zu finden, war mir gleich mal klar. Auf Wikipedia steht: Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) ist die kleinste in Mitteleuropa heimische Eule. Auch weltweit gehört die Art zu den Zwergen unter den Eulenvögeln. Die Flügelspannweite beträgt etwa 35 Zentimeter beim Männchen und 38 Zentimeter beim Weibchen. Das Männchen wiegt im Durchschnitt 59 Gramm und ist 16 bis 17 Zentimeter groß, das Weibchen zwischen 18 und 19 Zentimeter.

Aber, dass es sage und schreibe DREI JAHRE in Anspruch nehmen würde, hätte ich nie gedacht. Im Herbst des letzten Jahres raffte ich mich noch ein allerletztes Mal auf einen Sperlingskauz zu finden. Dabei erinnerte ich mich an eine Stelle im Stubaital, die mir beim Abstieg einer Gipfeltour schon mal als das passende Habitat erschien. Ich fand die Stelle in einem Lärchenwald nach 1.100 Höhenmetern Aufstieg an einem frühen Herbstnachmittag wieder, positionierte mich am Boden und genoss den Klang der singenden Vögel.

Die Entdeckung

Immer mit dem Fernglas im Anschlag, dachte ich mir bei einem weit entfernten Ruf: „DAS IST ER! Das ist doch der Ruf eines Männchens beim Abfliegen der Reviergrenzen.“ Meine Euphorie währte nur kurz. Nach ein paar Lauten erlosch der Ruf auch schon wieder und mein Glück flog mit dem Vogel davon. Nach weiteren vier Stunden des Wartens, kurz bevor ich meine Mission endgültig abbrechen wollte, hörte ich den Ruf wieder und er kam immer näher. Voller Nervosität schnappte ich mir langsam und geräuschlos meine Fotokamera. Mit dem Fernglas in der anderen Hand suchte ich das komplette Habitat ab und hielt Ausschau nach dem nur circa 17 Zentimeter großen Sperlingskauz. Plötzlich schoss ein kleiner Punkt an mir vorbei, ich legte das Fernglas ab und sah mich mit freiem Auge um. DA WAR ER! Nur fünf Meter von mir entfernt, saß er auf einem Ast und blickte mich neugierig an. Er dachte sich sicherlich: „Fabio, hier bin ich. Mach etwas daraus!

Fotoshooting der besonderen Art

Ich war unentschlossen. Soll ich die Kamera anheben und riskieren den Sperlingskauz zu verscheuchen oder soll ich warten, sie nicht anheben und der Kauz fliegt ab, ohne dass ich ein Foto von ihm habe? Ich entschloss mich dazu, zu warten – wie immer in der Naturfotografie 😉 Am ganzen Körper zitternd konnte ich es kaum fassen, dass der Moment jetzt – nach dreieinhalb Jahren – endlich gekommen war. Der Sperlingskauz hingegen machte sich nicht viel aus mir und blickte mich auch dann noch neugierig an, als ich nach circa drei Minuten doch wagte die Kamera anzuheben und ihn zu fotografieren. Es war unfassbar und ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich durch den Sucher sah. Im Hintergrund der in der Herbstsonne golden leuchtende Lärchenwald, im Vordergrund das Hauptmotiv, der Sperlingskauz. Was will man als Naturfotograf mehr?

Unbeschreibliches Glück

Eine ganze Stunde lang ließ sich der kleine Wald-Kobold von mir fotografieren und wechselte dabei sogar mehrmals die Bäume. Mit weit mehr als tausend Fotos auf der Speicherkarte entschloss ich mich ihm seine verdiente Ruhe zu gewähren und ging. Nach ein paar Metern Entfernung drehte ich mich noch einmal Richtung Kauz und sagte in meinem Gedanken „DANKE!“.

Nach ungefähr hundert Höhenmetern, die ich abgestiegen war, musste ich mich nochmal kurz hinsetzen. Adrenalin und Glücksgefühle durchströmten meinen Körper und ließen ihn von Kopf bis Fuß zittern. Erst da realisierte ich was mir soeben gelungen war und all die Strapazen der letzten drei Jahre waren innerhalb einer Sekunde vergessen.

Das Leben eines Naturfotografen

Es ist wirklich sehr schön so einzigartige, zurückgezogene Tiere in den heimischen Bergwäldern aufzuspüren und fotografisch fest zu halten. Allerdings gilt es schon einiges zu beachten und zu beherrschen als Naturfotograf . Neben jeder Menge Geduld und Ausdauer muss man sich klar sein, dass jede Tierart einzigartig ist. Verschiedene Tiere bevorzugen verschiedene Habitate, sind in unterschiedlichen Jahreszeiten oder nur am Tag bzw. nachts aktiv und verhalten sich beim Kontakt mit Menschen nicht immer gleich. Dann wäre da noch die technische Seite. Selbst wenn man sein Motiv gefunden hat, sind das Licht, die Entfernung, der Hintergrund, die Farben und vieles mehr oft entscheidend, um ein perfektes Foto mit nach Hause zu nehmen.

Dennoch ist es für mich immer ein wahnsinnig tolles Erlebnis mich mit neuen Tierarten und deren Verhalten auseinander zu setzten. Hoffentlich konnte ich euch mit dieser kleinen Geschichte über den Sperlingskauz diese Freude übermitteln und mit meinen Bildern einen Einblick in die Naturfotografie in den heimischen Bergen geben.

 

Text & Fotos: Fabio Hain, @naturfotografie_fabio_hain