Ein bisschen erinnert dieses Bauvorhaben an die bekannte Geschichte von Sisyphos aus der griechischen Mythologie. Für seine Freveltaten in die Unterwelt gezwungen, muss er zur Strafe einen Felsblock auf ewig einen Berg hinaufwälzen, der, fast am Gipfel, jedes Mal wieder ins Tal rollt. Das soll natürlich so am Stubaier Gletscher nicht passieren. Damit beim Bau der 3S – Bahn nichts hinunter „rollt“, kümmern sich gleich ein Sammelsurium an namhaften Baufirmen um die Verankerung der Bahn in den hochalpinen Boden. Aber „rollen“ wir die Geschichte nicht von hinten auf.

Die „alte“ Eisgratbahn hat tatsächlich schon einige Jahre auf dem Gletscherbuckel. Ganze 43 Jahre ist sie alt, wenngleich sie in dieser Spanne natürlich regelmäßig gewartet wurde. Aber jeder „Oldtimer“ wird mal in die Garage verbannt und deswegen entsteht gerade die 3 S – Bahn der Firma Leitner um die Eisgratbahn ab nächsten Herbst zu ersetzen. Das Abtragen der alten Zweiseilumlaufbahn geschieht natürlich nicht willkürlich, die meisten der Gondeln wurden schon verkauft und können im Herbst 2016 abgeholt werden, die Stützen werden abmontiert und recycelt, die alte Trasse zum Teil renaturalisiert. Die neue 3S-Bahn soll mindestens 40 Jahre halten, Schneevergnügen für weitere Generationen liegt wortwörtlich kein Stein im Weg.

Aber nun zur 3S – das Kürzel steht für Dreiseilumlaufbahn, wobei das dritte Seil in diesem Fall ein Zugseil darstellt. Die Kabinen werden mit einer Geschwindigkeit von 6 m/s von einem endlosen Zugseil gezogen, rollen dabei jedoch noch auf zwei Tragseilen. Eine Fahrspur weist also drei Seile auf, woher auch der Name dieses Bahnsystems rührt. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen geringeren Energieverbrauch bei gleichzeitig höherer Kapazität, zum anderen eine höhere Windstabilität bei größeren Bodenabständen. „Alleine in der Wintersaison 2014/15 gab es 10 Totalsperren, davon drei Tage in der Osterwoche“, erzählt Reinhard Klier, Vorstandsvorsitzender der Wintersport Tirol AG. Neben finanziellen Einbußen bedeutet das vor allem auch einen Imageschaden. Vor allem wenn Wochenend-Gäste des Stubais deswegen komplett auf ihr Schneevergnügen verzichten müssen. Allerdings ist das nur ein Stück des großen Ganzen. „Der Zubringer war schon immer die Achillesferse des Stubaier Gletschers“, führt Klier weiter aus, „Mit dieser Investition machen wir keine halben Sachen, sondern sichern auf längere Zeit mit höchster Qualität den Zubringer auf den Gletscher.“

Aber natürlich baut man eine solche Bahn nicht aus dem Effeff. Jahrelange Planung und Bewilligungsverfahren waren von Nöten um im Sommer 2015 endlich mit dem Bau anfangen zu können. „Dabei war der Permafrost gar nicht so das Problem“, meint Klier, „eher noch der tonige Untergrund der neuen Mittelstation.“ Hier soll ein weiterer Baukörper von enormer Dimension andocken. 5.000 m³ Beton und 50 fixe Pfähle mit bis zu einem Meter Durchmesser kommen zum Einsatz. Die Stangen im Erdreich werden aufgrund der schwierigen Untergrundverhältnisse benötigt: das Gebäude soll ja nicht irgendwann mal einfach ein- oder absacken. „Eine weitere Herausforderung ist die kurze Bauzeit“, erklärt der Vorstandsvorsitzende, „immerhin haben wir nur ein paar Monate in diesem Sommer und im nächsten bis die Bahn im Herbst 2016 eröffnet werden soll.“
Und wer von den werten Lesern diese Saison schon am Stubaier Gletscher war bzw. vorhat, das Gletscherskigebiet in Bälde zu besuchen, soll beruhigt sein: der Bauweg auf die Mittelstation wird nach Ende der Bautätigkeit wieder fast zur Gänze naturalisiert, das Landschaftsbild wieder hergestellt.

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