Goethe bezeichnete die Serles auf seiner Europareise als Hochaltar Tirols, der Beiname ist geblieben, denn das ist er in der Tat. Von Innsbruck aus hat man direkten Blick auf den Stubaier Hausberg. Er thront förmlich am Eingang des Tales und sein Anblick machte mir Lust ihn wieder einmal zu besteigen. Vor allem der Sonnenaufgang verspricht ein unglaubliches Erlebnis. Um 1:30 Uhr, quasi mitten in der Nacht, machten wir uns zu zweit mit dem Auto auf den Weg von Innsbruck zu Maria Waldrast. Maria Waldrast, als Europas höchstgelegenes Kloster auf 1.641 Metern, ist ein beliebter Wallfahrtsort. Es war mittlerweile 2:20 Uhr als wir unseren Ausgangspunkt Maria Waldrast Richtung Serlesgipfel verließen. Es ist schon eine ganz besondere Stimmung wenn man immer wieder das Mondlicht zwischen den Bauspitzen des Waldes sehen kann. Die Ruhe, die maximal von ein paar Tiergeräuschen kurz unterbrochen wird, sorgt darüber hinaus für eine beinahe mystische Stimmung im Morgengrauen.

Nach ca. 1 1/2 Stunden die uns auch durch die Latschen bis hin zum Kamm unter der Serles führten, hatten wir das erste Mal freie Sicht auf das Stubaital. Ganz verschlafen hat es noch ausgesehen und das Licht des Vollmondes ermöglichte somit einen beeindruckenden Anblick ganz ohne grelle Beleuchtung. Vom Kamm aus erscheint der Gipfel ganz nahe, doch dies täuscht etwas, denn von dort haben wir noch eine gute Stunde gebraucht. Auch auf der verbleibenden Strecke konnten wir immer wieder das beeindruckende Stubaier Panorama genießen. Über eine kurze Etappe, die etwas Klettergeschick bedurfte, gelangten wir über einige Serpentinen bis hinauf zu dem Gipfel auf 2.781 Metern.

Gegen 5:00 Uhr morgens erreichten wir dann das Gipfelkreuz. Einige Wanderer konnten wir am Gipfel schon antreffen, sie hatten sich noch etwas früher auf den Weg gemacht und so fieberten wir dem Sonnenaufgang gemeinsam entgegen. Wir suchten für uns das schönste Platzerl aus und konnten bereits eine rote Silhouette erkennen. Das wunderbare Gefühl den Gipfel erreicht zu haben, wurde durch das immer beeindruckender werdende Naturschauspiel gestärkt. Um 06:28 Uhr (ich habe extra noch auf die Uhr geschaut) war es soweit, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen waren zu spüren. Es war für mich eine Premiere, der erste Sonnenaufgang den ich auf einem Berg erlebt habe. Ein unbeschreibliches Gefühl, man kann schon von Glückseligkeit sprechen. Ein Sonnenaufgang auf dem Gipfel stellt alltägliche Gedanken wortwörtlich in den Schatten. Auch bei den anderen Wanderern war etwas eine sentimentale Stimmung erkennbar. Was uns aber alle vereinte, ist das breite Lächeln auf unseren Gesichtern. Wir waren uns alle einig, dass der Blick von der Serles aus, auf die Stubaier Alpen atemberaubend ist. Ein unvergessliches Erlebnis, dass man kaum in Bildern wiedergeben kann. Man muss es selbst erlebt haben und spüren wie die Sonnenstrahlen langsam das Tal und die Lebensgeister wecken. Dennoch habe ich versucht die schönsten Momente unserer Wanderung für euch einzufangen.

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Weitere Informationen:

Ausgangspunkt: Maria Waldrast (1.641 m), erreichbar mit dem Auto von Innsbruck über die Brennerautobahn in ca. 45 Minuten, erreichbar mit dem Auto vom Stubaital in ca. 25-30 Minuten
Wanderung: Maria Waldrast – Serlesspitze: ca. 2 ½ Stunden; Höhenmeter: ca. 1000 m
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Optimale Jahreszeit: Juni – September

Highlights der Wanderung:

Der Blick auf den Stubaier Gletscher. Das Weiß von Schnee und Eis erstrahlt hier in seiner vollen Pracht, wenn die ersten Sonnenstrahlen im Königreich des Schnees Einzug halten.

Interessante Links:

Infos zur Serles
Infos zu Maria Waldrast

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