Energy-Balls1-Uli Eigentler

Der Herbst steht schon in den Startlöchern und die ersten Ernten werden wieder eingefahren. Die Kräutermenschen sind auch schon gewappnet für die letzten Sammelrunden und neben Wildfrüchten und Wurzeln stehen wilde Samen ganz hoch im Kurs. Dass wilde Samen gesund und bekömmlich sind, muss ich an dieser Stelle sicher nicht erwähnen. Neben Müsli und als Topping für Salat haben sie bei mir zu Hause eine ganz besondere Bestimmung gefunden. Ich nehme gerne Samen des Springkrauts, des Breitwegerichs und der Brennnessel. Die verwende ich für  meine wilden Energy Balls oder verwerte sie im Brennnesselsamenbrot. Beides Erzeugnisse, die Energie liefern und neue Kraft geben.  

Springkrautsamen

Das indische Springkraut ist vor allem den Landwirten ein Dorn im Auge, als Neophyt drängt sich das Springkraut gerne in den Vordergrund und unterdrückt die heimischen Pflanzen. Ich kann die Pflanze leider nicht riechen, aber den nussigen Geschmack der Samen mag ich sehr gerne. Kleiner Exkurs: man hat mir und meiner Kindergruppe beim Naschen der Springkrautsamen schon hundert Euro geboten, wenn wir alles aufessen würden. Naja, das haben wir nicht geschafft und natürlich auch nicht abkassiert.

Breitwegerichsamen

Breitwegerichsamen sind gut für die Verdauung, 1 EL Samen wird mit ¼ l Wasser übergossen und stehen gelassen. Ähnlich wie Leinsamen quellen diese nun auf und es ergibt eine schleimige Flüssigkeit. Das Samenwasser kann nun entweder getrunken werden oder man lässt es stehen und isst dann die gallertartige Masse.

Brennnesselsamen

Ab August ist der richtige Zeitpunkt um die Samen der Brennnessel zu ernten. Da sind die Samen richtig reif und haben dann den höchsten Anteil an gesunden Inhaltstoffen (wie Vitamin A, B, C und E, Kalzium und Eisen). Die Samen sind gelblich gefärbt, schmecken sehr lecker, nussig und sie sind außerdem gesund und helfen bei Müdigkeit und Leistungsschwäche.

Die Ernte ist relativ einfach – die ganz Mutigen verzichten auf die Handschuhe – Luft anhalten, die Brennnessel fest anpacken und den ganzen Zweig abschneiden. Anschließend wird die komplette Brennnessel auf Backpapier getrocknet (am besten an eine schattigen und luftigen Ort), sobald sie getrocknet ist, einfach die Samen abschütteln. Die Blätter kann man dann für den Tee verwenden.

Und keine Angst: die Samen besitzen keine Brennhaare und können somit nicht im Mund brennen. Selbst die getrockneten Blätter verlieren ihre „Brennkraft“ sobald sie nicht mehr frisch sind.

Jetzt aber zu den zwei Rezepten, in denen die wilden Samen verarbeitet werden.

Das Brot mit Brennnesselsamen und die wilden Energy Balls.

Man braucht für das Brot mit Brennnesselsamen:

  • 400 g Roggenmehl
  • 100 g Weizenmehl
  • 1,5 TL Salz
  • 375 ml Wasser (oder Buttermilch)
  • 1 Pck. Trockenhefe
  • 2 – 3 EL Brennnesselsamen

So geht‘s:
Alle Zutaten verkneten und an einem warmen Ort gehen lassen. Den Brotteig anschließend in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform füllen, mit Wasser bestreichen und mit Brennnesselsamen toppen. Das Brot wird bei 200° C ca. 45 – 60 Minuten gebacken.

Man braucht für wilde Energy Balls:

  • 200 g Medjool Datteln
  • 1 Schluck Wasser
  • 50 g 3-Korn-Flocken
  • 50 g geriebene Nüsse
  • 120 g Cashewnuss-Mus
  • 1 – 2 EL Rohkakaopulver
  • 2 EL Agavensirup
  • Brennnesselsamen, Breitwegerichsamen, Springkrautsamen zum Wälzen

So geht‘s:
Die Medjool Datteln – das sind die Königsdatteln und viel weicher als die „normalen“ – entkernen und klein schneiden, mit einem Schluck Wasser pürieren. Die Angabe „Schluck“ ist jetzt keine gängige Mengenangabe, aber ich hab nachgemessen 😉 und fein säuberlich in die Spüle gespuckt, eh klar. Also ein Schluck Wasser entsprechen 3 EL Wasser. Hätten wir das auch.

Alle anderen Zutaten dazu geben – außer den Samen – und gut durchmischen. Ich stelle die Masse dann immer eine Stunde in den Kühlschrank, anschließend mit einem Teelöffel von der Masse abstechen und Kugeln formen und in den Samen wälzen. Die wilden Energy Balls bewahre ich im Kühlschrank auf.

Für all jene, die ausschließlich regional einkaufen – versuch ich eigentlich schon auch – es funktioniert auch mit getrockneten Marillen.

Weiter Wildkräuterrezepte findet man auf www.wald-und-wiese.at