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Nicht nur zu besonderen Anlässen, wie bei den Almabtrieben oder den Krampusläufen kommen seine Schellen zum Einsatz. Die Schellen von Johann Hofer aus dem Stubaital sind bei Landwirten in ganz Europa täglich in Gebrauch.

Ob Glocken oder Schellen, beide gehören zum Stubaital. Sie zu unterscheiden ist für den Laien aber gar nicht so einfach. Johann Hofer von der Glockenschmiede Stubai kennt sie ganz genau und erklärt: „Eine Glocke wird gegossen und eine Schelle wird aus Stahlblech geschmiedet. Die Glocke klingt immer nach und eine Schelle kann nachklingen. Zusätzlich kann eine Schelle auch eine Glockenform haben.“ Kühen, Schafen und Ziegen werden auf der Alm seit Jahrhunderten also Schellen um den Hals gehängt. Das hat zwei Vorteile: die Herde bleibt auf den weitläufigen Weideflächen zusammen und falls sich ein Tier mal verläuft, kann es durch das Geläut wieder leichter gefunden werden. Bis heute haben sie für Landwirte und Senner also eine wichtige Funktion.

Auch deshalb müssen Schellen widerstandsfähig und langlebig sein. „Wenn das Metall langsam und in kaltem Zustand in Form gebracht wird, werden sie das“, erklärt Johann und gibt damit auch gleich das Geheimnis um die hohe Qualität der Stubaier Schellen preis. So einfach das erklärt ist, so viel Erfahrung und Wissen um die Metallverarbeitung ist nötig und dafür ist das Schmiededorf Fulpmes seit Jahrhunderten in der ganzen Welt bekannt.

In einem aufgelassenen Stall wurde die Glockenschmiede Stubai von Hans Schiestl im Jahre 1946 gegründet. Angefangen hat man damit Alu-Kämme, Lockenwickler und Schneebesen herzustellen, sogar mit Skibindungen war man erfolgreich. Die Marktlücke „Viehschellen“ hat man dann Ende der 1950er Jahre entdeckt. „Heute sind wir der einzige große Schellenhersteller in Österreich“, so Johann Hofer, nicht ohne Stolz. Als Schlosser hat er vor 30 Jahren im Unternehmen angefangen zu arbeiten und es schließlich vor einigen Jahren ganz übernommen. Rund 5o Tonnen Material werden heute von dem 15 Mitarbeiter starken Unternehmen jährlich verarbeitet. Daraus werden Flachschellen, Froschmaulschellen, Keilschellen und Messingglocken in Größen von 2 cm bis 24 cm (gemessen wird an der Öffnung der Schelle).

In jeder Schelle stecken ein aufwendiger Produktionsprozess und viel Handarbeit. Mit einer hydraulischen Presse wird das zugeschnitte Blech zuerst tiefgezogen. „Dieser Arbeitsschritt muss langsam erfolgen, damit das Metall gleichmäßig dick bleibt und es zu keiner Faltenbildung kommt“, betont Johann. Für jede Größe und jede Schellenform muss ein eigenes Werkzeug verwendet werden. Es entstehen zwei Halbteile, die miteinander verschweißt und im Anschluss – über eigens geformten Schmiedehörnern, bei Temperaturen von 500 bis 800 Grad – geschmiedet werden. Von Hand werden die beiden Hälften dann vernietet und die Aufhängungen für das Lederband und den Klöppel in der Schelle noch verschweißt. Der fast letzte Schritt erfolgt in einem 1.300 Grad heißen Messingbad, wo die Schelle ihre goldgelbe Farbe erhält und gleichzeitig verlötet als auch verfestigt wird. Zuguterletzt wird die heiße Schelle in kaltes Wasser gegeben und anschließend noch gebürstet und poliert. „Spezialanfertigungen werden komplett handgeschmiedet“, erzählt Johann. Solche Schellen kommen zu besonderen Anlässen wie beim Almabtrieb zum Einsatz. Sie sind aber auch beim vorweihnachtlichen Krampuslaufen oder in der Fasnacht unverzichtbar und können auch schon mal zehn Kilo wiegen.

Zum einen sind die Schellen aus dem Stubaital bei Landwirten in ganz Europa täglich in Gebrauch, zum anderen sind sie aber auch ein beliebtes Souvenier und Mitbringsel. „Bei der Produktion machen wir aber keinen Unterschied. Die Schellen für die Bauern sind exakt gleich wie im Souvenirgeschäft. Das ziehen wir durch “, so Johann Hofer. „Das gilt auch für das ‚Zubehör‘ wie Lederbänder oder Schnallen, die wir ebenfalls selbst im Haus produzieren.“

Was man mit den Schellen aus dem Stubaital noch machen kann? Musik natürlich. Entscheidend für den Ton ist natürlich die Größe der Schelle und ihre Form. Die Feinabstimmung erfolgt mit dem Hammer. Ein paar kräftige Schläge und der Ton ist ein anderer. „Der Schelle macht das nichts, die hält das aus“, lacht Johann. Klar, sie ist ja auch täglich in Gebrauch.

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