Zottler_GeisselSchneller

Wenn zwischen Dreikönig und Aschermittwoch die Maschger wieder durch Neustift ziehen, geht es rund in der Wirtsstuben. Es wird aufg‘spielt, getanzt und geplattelt. Gilt es doch in der Fasnacht dafür zu sorgen, dass der Winter dem Frühling Platz macht, damit die Ernte im Tal gut und reichlich ausfällt.

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Am 7. Jänner 2023 war es wieder so weit. In einer pompösen Zeremonie wurde der Naz ausgegraben und im Stubaital hat die fünfte Jahreszeit – die Fasnacht – begonnen. Bis Faschingsdienstag ziehen jetzt Klötzler, Bären, Hexen, Weiße, Spiegeltuxer, Melcher, Tschaggeler, Zottler und das Stubaier Paarl tanzend und schuhplattelnd durch die Gaststuben und Restaurants von Neustift. Es ist gar nicht so leicht vorherzusagen, was passiert, wenn die Maschger kommen. Turbulent und lustig wird es auf jeden Fall. Also, nehmen Sie es gelassen, wenn Sie einen Schlag auf die Schulter ­abbekommen. Es ist eine Ehre und der Schmerz wird sofort mit einem Schnapserl gelindert. Wenn Sie ein Bär umarmt, keine Bange, der Bärentreiber wird ihn schnell wieder einfangen. Und die Hexen? Ja, auch die können ganz schön frech werden.

Jahrhunderte alte Tiroler Tradition seit vier Jahrzehnten im Stubaital

Die Maschger (auch Matschgerer oder Muller ­genannt) haben in Tirol eine jahrhundertelange Tradition. Sie sollen den Winter vertreiben und für ein fruchtbares Jahr sorgen. Im Stubai wird einer guten Ernte allerdings erst seit 1978 mit Tanzen und viel Musik auf die Sprünge geholfen. Anfangs zogen zur Fasnacht gerade einmal vier Hexen durch Neustift. Aber die Gruppe wuchs und 1983 gründete sich die „Brauchtumsgruppe Neustift-Milders“. In seiner alten Form wurde der Verein 2000 aufgelöst und formierte sich 2003 neu. Diesen Winter feiert die „Brauchtumsgruppe Neustift“ ihr 40-Jahr-Jubiläum.

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Mitglieder des Brauchtumsvereins Neustift mit Masken.

Vom Maschgern infiziert

Auch wenn die Tradition im Stubai noch recht jung ist, begeistern die Maschger Einheimische und Gäste gleichermaßen. Fast 70 Mitglieder im Alter von fünf bis 85 Jahren hat die Brauchtumsgruppe Neustift – und es sollen noch mehr werden. „Eine eigene Jugendgruppe wäre schön“, meint Martin Stern. Seit 2021 ist er Obmann der Brauchtumsgruppe Neustift. Schon als Kind hat ihn das „Maschger-Fieber“ gepackt und bis heute nicht losgelassen: „Maschgergehn ist etwas ganz Besonderes. Ich kann es nicht erklären. Man hat es – oder man hat es nicht. Aber jeder fiebert auf die Zeit hin, bis es wieder losgeht.“ Traditionell ist in Tirol das Maschgergehn Männersache, aber ohne Frauen läuft auch hier nichts. „Sie helfen uns bei den Vorbereitungen und nähen die Kostüme“, ist Martin froh über die Unterstützung. Das Gewand der Maschger ist eine heikle Sache. „Es ist wie eine Tracht, da ist jedes Detail wichtig“, so der Obmann.

Choreografiertes Tanzen und Platt‘ln

Vielleicht hat es im ersten Moment ja nicht den ­Anschein, aber die Aufführungen der Maschger folgen einem festgelegten Ritus, bei dem jede Bewegung, jeder Tanz, jede Geste ihre Bedeutung hat. Der ­Ziehharmonikaspieler geht an der Spitze des Zuges und stimmt mit seiner Steirischen Harmonika einen Walzer an. Die Klötzler sorgen mit ihren Gwand aus kleinen Holzschindeln für viel Krawall und Aufmerksamkeit bei den Zuschauer. Ihnen folgen die Bärentreiber, die so ihre Mühe haben, die Bären zum Tanzen zu bringen. Anschließend kommen die Hexen. Mit ihren Besen, die schon auch mal über die Schuhe der Zuschauer fegen, machen sie den Weg für die vier Jahreszeiten frei.

„Eine Besonderheit ist das ‚Alt Stubaier Paarl‘. Es ist die jüngste Figur in unserer Fasnacht und stellt ein Stubaier Gastwirts- und Bauernpaar in der schönen Stubaier Tracht dar. Seine Aufgabe ist es, den Melchern und Tuxern das Platteln und Maschgern näherzubringen. Mit kurzen Tänzen und Ausschnitten aus dem Figurentanz gehören sie seit 2019 fix zu unseren Auftritten“, erklärt Martin und zeigt damit, dass sich Brauchtum auch immer wieder verändert und weiterentwickelt. Stampfend tanzen anschließend die Weißen, Spiegeltuxer und Melcher sowie Tschaggeler und Zottler in den Saal. Die Weißen stellen den Frühling dar. Mit dem Sprung über ihre Weidenrute sollen die Frühlingsgeister geweckt werden. Höhepunkt ist ein Plattler der Spiegeltuxer und Melcher. Sie sind die Hauptfiguren der Fasnacht und repräsentieren den Sommer. Auf den bunten Gewändern der Tschaggeler finden sich die Farben des Herbstes. Die Zottler machen den Abschluss. Die grimmigen Masken und die dichten Gewänder symbolisieren den langen, harten Winter im Stubaital.

Aufregung macht sich im Saal breit, wenn sich die Maschger unter die Zuschauer mischen. Wer dabei einen Schlag auf die Schulter bekommt, darf sich glücklich schätzen. „Das ‚Abmullen‘ gilt als Fruchtbarkeitssymbol und ist eine große Ehre“, erklärt Martin den alten Brauch. Nach einer Weile versammelt sich die Gruppe wieder und nimmt ihre Masken ab. Der Auszug erfolgt wieder im Takt der Ziehharmonika mit der Maske auf der Schulter. Danach geht es zum nächsten Auftritt.

Jubiläumsfeier und weitere Termine

Am 14. Jänner 2023 findet das große „Jubiläums­maschgerschaug‘n – 40 Jahre Brauchtumsgruppe Neustift“ im Freizeitzentrum Neustift statt. Neun Maschger-Gruppen aus ganz Tirol werden erwartet und präsentieren ihre Fasnacht. Die Besucher erwartet ab 19:30 Uhr ein farbenfrohes Fest mit viel Musik, Tanz und allem, was dazugehört.

Weitere Aufführungen und Termine der Brauchtumsgruppe Neustift finden Sie hier.

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Mitglieder des Brauchtumsvereins Neustift ohne Masken.

Fotos: Brauchtumsgruppe Neustift