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Das ich das erste Mal im Stubaital war, ist schon 15 Jahre her. Damals mit meinem Vater wandernd zur Dresdner Hütte und der Jochdohle auf 3.150m. Die Erinnerung war verblasst und nun hatte ich die Möglichkeit genau diese Strecke als Zieleinlauf wieder zu erleben. Doch bis zum Zieleinlauf ist es ein weiter und steiniger Weg.

Je nachdem für welche Strecke du dich entscheiden wirst, es liegen viele Höhenmeter in dünner Luft und eine große Herausforderung in atemberaubender Landschaft vor dir. Der Stubai UltraTrail bietet zwei Strecken an: Den BasicTrail mit 28.8km (2.581hm aufwärts und 431hm abwärts) sowie den UltraTrail mit 63km (4.718m aufwärts und 2.151hm abwärts).

Es geht von der Stadt auf den Gletscher. Urban2Glacier
Welche Voraussetzungen du für die Bewältigung dieser Strecken benötigst werde ich in einem anderen Beitrag beschreiben. Heute möchte ich dich mit meinen Beschreibungen und Bildern mit auf die Strecke nehmen und dir zeigen was dich erwartet.

 

Innsbruck – Telfes

Beim Start um 1Uhr am Goldenen Dachl in Innsbruck ist es noch dunkel und im Licht der Stirnlampe läufst du durch die Stadt bis du am Bergisel die Stillschlucht erreichst die dich nach Telfes im Stubaital führt. Dieser Abschnitt wird für die meisten Teilnehmer im Dunkeln gelaufen. Ich steige mit meiner Streckenführung ab Telfes ein. Dort wo dich auf dem Weg hoch zur Schlickeralm die Sonne im Nacken kitzelt.

 

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Von Telfes nach Neustift – lang bergauf und rasant ins Tal

Nach der Verpflegungsstation in Telfes am Parkplatz Pfarrachalm geht es oberhalb bis ins Tal des Schlickerbaches. Je nachdem wie schnell du auf den vergangenen 19km warst, wirst du hier bis zur Schlickeralm den Sonnenaufgang erleben. Auf einem Schotterweg führt dich die Strecke immer bergauf entlang des wilden Baches und biegt bald auf einen schmalen Trail ein. Bis zur Schlickeralm bist du nun auf einem angenehm laufbaren Trail unterwegs. Auf einer historischen Strecke! Weltmeisterschafts-Strecke Berglauf 1990, 1996 und 2014. Immer wieder siehst du Streckenmarkierungen von damals. Aber lass dich nicht
täuschen: Das sind nicht deine Kilometer. Bis zum Gletscher ist es noch lang.

Stetig sammelst du Höhenmeter. Es geht ausschliesslich bergauf und die erste Verschnaufpause kannst du dir an der Station Schlickeralm gönnen. Der Talabschluss wirkt wie eine Arena. Deine Arena für die nächste Stunde. Bis zum Sennjoch geht es bergauf und die über 500 Höhenmeter ziehen sich. Auf dem gut ausgebauten Spazierweg kannst du aber Tempo machen und durch die vielen Serpentinen ist die Steigung nur moderat. Geniesse diese Atmosphäre im Morgenlicht, wenn die Berge und Wiesen angestrahlt werden, die Kühe verdutzt schauen und du nicht mal mehr die Marathon-Distanz vor dir hast. Natürlich nur wenn du nicht Profiläufer bist. Dann bist du hier in der frühen Dämmerung oder in der Nacht.

Am Sennjoch angekommen wird es technischer. Für mich ist dies der schönste und spannendste Abschnitt. Hier benötigt es etwas Trittsicherheit, um schnell rennen zu können. Der Weg ist breit genug, doch Steine und Geröll machen es rutschig. Hoch über dem Tal führt der Trail entlang der Felswände. Tief unten ist Neustift zu sehen. Doch bis zum Beginn des Downhill dauert es noch. Durch Lawinenverbauungen und vorbei an pfeifenden Murmeltieren läufst du bis schliesslich die Starkenburger Hütte auftaucht. Ab hier beginnt der Downhill. Jetzt werden über 1.400 Höhenmeter auf gerade mal fünf Kilometern vernichtet. Beine lockern, etwas trinken und den steilen Abstieg in einem Rutsch nehmen. Es macht Spaß doch sollte nicht unterschätzt werden. Gehe es nicht zu wild an.

Du hast noch fast 30 Kilometer und über 2.500 Höhenmeter vor dir. Dieser Abschnitt ist für mich, neben dem Ziel auf dem Gletscher, das Highlight der gesamten Strecke. Technische Trails, wunderschöne Ausblicke und die Möglichkeit es laufen zu lassen.

 

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Von Neustift nach Mutterberg – vorgetäuschte Einfachheit

Ab jetzt ist es nicht nur die Ultratrail-Strecke sondern auch die des Basictrail. Aus dem Ort geht es einen kleinen Anstieg am Hang hoch bevor es im Wald gemächlich hinab wieder zum Fluß führt. Beine lockern und Tempo machen. Wieder am Talboden verläuft die Strecke entlang des Wassers auf Schotterwegen bis zur Doadleralm. Wer hier Kraft hat kann schnell rennen. Doch Vorsicht, zu viele Körner solltest du nicht verbrennen. Denn ab der Doadleralm geht es auf einem schmalen Trail im Wald hoch. Der einfache Weg nach Ranalt täuscht ebenso. Knackig-wurzlige Weg stehen dir bevor. Erst bei Kilometer 47 wird es wieder einfacher. Die gut laufbaren Spazierwege am WildeWasser-Weg führen dich an tosenden Wasserfällen entlang. Wieder stilller wird es ab der Tschangelair Alm bevor nach einigen Kilometern die Kulisse des Grawa-Wasserfalles dich aus den Gedanken reisst. Der breiteste Wasserfall der Ostalpen kühlt mit seinem Wasssernebel. Jetzt ist auch die Zeit der schnellen Pace vorbei. „Nur für Geübte“ steht auf dem Schild. Es geht neben dem Wasserfall den Hang hinauf. Es ist steil und viele Treppen säumen den Trail. Zwei Aussichtspunkte gibt es und ich empfehle, trotz Wettkampf, sich den imposanten Ausblick nicht entgehen zu lassen. 150 Höhenmeter erklimmst du bevor der Trail wieder ins Tal geht. Ein Downhill wie aus dem Bilderbuch. Hier macht es richtig Spaß und ist die letzte Bergab-Passage bevor die Strecke nur noch Anstiege aufweist. Unten angekommen geht es fluffig am Wasser entlang und über den großen Parkplatz der Eisgratbahn bis zur Talstation Mutterbergalm.

 

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Von der Talstation ins Ziel – auf 3.150m

Satte 1.400 Höhenmeter stehen dir jetzt noch zwischen dir und dem Ziel. Spätestens ab 2.500m wird die Luft dünner und die Kraft schwindet. Teile dir die Strecke gut ein, dann schaffst du den Zielsprint. Bis zur Dresdner Hütte führt die Strecke auf dem engen Trail auf der rechten Talseite hoch. Die unschöne breite Baustraße wird gemieden. Der Weg schlängelt sich sanft nach oben. Bei Nässe kann es sehr rutschig sein und das Profil deiner Schuhe muss einiges aushalten. Bedingt durch die vielen Kurven ist ein zügiges gehen, bei den Profis wohl auch laufen, möglich. So ist die Hütte schnell erreicht.

Der Trail zur nächsten Verpflegung am Eisjoch ist zum Teil weglos und steil. Entlang von kleinen Wasserfällen, quer über Wiesen und schroffe Schotterfelder kommst du dem ewigen Eis immer näher. Zugegeben, die vielen Lifte und Seilbahnen stören die Atmosphäre etwas. Doch ausgeblendet und in die anderen Richtung geschaut hast du eine schöne Bergkulisse und bei gutem Wetter den Blick zurück bis Innsbruck. Die letzten drei Kilometer läufst du im Schnee auf dem Gletscher. Je nach Wetterlage der Vortage sind die Verhältnisse besser oder schlechter. Eine sulzig-rutschige Angelegenheit. Ein Schritt vor, zwei zurück. Parallel zum Ski-Lift immer geradeaus den Berg hoch. Oben an der Bergstation ist Schluß. Nein! An der Scharte angekommen hast du noch ein flaches Stück Skipiste bis zur Jochdohle – dem Ziel. Wenn du jetzt noch Puste hast, dann ist die Zeit für den Zielsprint gekommen.

 

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Zieleinlauf auf 3.150m. Das ist einmalig.

Geniesse die Zielverpflegung, das Panorama über die Alpen und fahre dann mit der Bahn zurück ins Tal zur Siegerehrung. Oder wie ich es machen würde: Mit Spaß zurück bis zur Talstation laufen.
Viel Erfolg!

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