Wie ein Vogelnest liegt die Sulzenauhütte hoch über dem Tal, das direkt unterhalb auf einmal steil abfällt. Wer hier hinauf wandert, wird nicht nur mit wunderbar weiten Ausblicken auf einsame Hochgebirgslandschaften, Gletscher und Täler belohnt: Ein ständiger Begleiter ist hier auch vom Rauschen des Wassers aus den Gebirgsbächen, die sich hier besonders im Sommer, gespeist von mächtigen Gletschern, sprudelnd und tosend ihren Weg hinunter ins Tal bahnen.

Den „wilden Wassern“ des Stubaitals wurde kürzlich sogar ein eigener Wanderweg gewidmet – die vermutlich schönste Etappe des „WildeWasserWegs“ zwischen Sulzenauhütte und Grawa Alm stellen wir hier vor.

Tor zur Gletscherwelt und spektakulärer Blick ins Tal: die Sulzenauhütte

Die Sulzenauhütte ist nicht nur gemütlich, sondern liegt auch am Ende eines wunderschönen Hochtals und eignet sich gut als Start- oder Endpunkt einer Wanderung entlang des WildeWasserWegs. Wer mag, übernachtet sogar in der Hütte oder wandert von der Mittelstation des Stubaier Gletschers über das Peiljoch zu ihr hinüber – die vielleicht schönste Etappe des Stubaier Höhenwegs (mehr dazu in diesem Artikel).

Von der Sulzenauhütte genießt man einen weiten Panoramablick, da das Tal direkt unterhalb der Hütte steil abfällt. Oberhalb von ihr thront der wild-imposante Sulzenauferner am Ende eines wunderschönen Hochgebirgstals, und innerhalb von ca. 45 Minuten Gehzeit von der Hütte erreichen wir bei einem kleinen Abstecher den Grünauer See, einen türkisblau schimmernden, versteckten Gletschersee wie im Märchen.

Gletscher, Gletscherseen und ihre eiskalt sprudelnden Bäche: auch bei unseren Erkundungen hier oben werden wir bereits von den ‚wilden Wassern’ des Stubaitals begleitet. Was „WildeWasser“ wirklich bedeutet, wird uns jedoch erst bei unserem Abstieg von der Sulzenauhütte ins Tal so richtig klar: Über 200 Meter stürzt der Sulzenaufall donnernd und rauschend in die Tiefe – direkt unterhalb der Hütte!

1 Sulzenauhütte Stubaier Höhenweg WildeWasserWeg 2 Blick Sulzenauhütte ins Tal 3 Grünauer See Stubaier Alpen Tirol

Sulzenaufall: wo „wilde Wasser“ 200 Meter in die Tiefe stürzen

Wer möchte, kann dem Naturspektakel hier ganz nahe kommen, denn der Weg teilt sich und ein Teil steuert direkt auf den Wasserfall zu und führt dann neben ihm entlang. So nah neben dem gewaltigen Sulzenaufall ist vor lauter Rauschen nichts mehr zu hören und vor lauter Wasserdampf in der Luft kaum noch etwas zu erkennen. Kalte Gischt und ganze Wasserschwälle wechseln sich ab, im Sonnenlicht bildet das Wasser kleine Regenbogen. Am unteren Ende angekommen setzen wir unseren Weg zwar leicht durchnässt, aber glücklich fort (jetzt im Sommer ist das frische Wasser sogar eine willkommene Abkühlung!).

Beim Blick zurück sehen wir den mächtigen Sulzenaufall noch einmal in seinem ganzen Ausmaß und – ganz oben – die Sulzenauhütte, die wie ein Vogelnest an der Abbruchkante des Tals thront, über die die wilden Wasser in die Tiefe stürzen.

Idyllische Einkehr auf der Sulzenaualm

Unterhalb des Wasserfalls wird der zuvor steile Weg auf einmal flach. Auf einem idyllischen Almboden führt er zwischen Wiesen und dem dahinschlängelnden Gebirgsbach entspannt weiter Richtung Tal. Unterwegs passieren wir die Sulzenaualm, die mit ihren vielen aus Holz geschnitzten Fantasiefiguren im Garten und dem Ausblick auf den steilen Talkessel zu einer kleinen Pause einlädt.

Nach der Sulzenaualm verändert sich auf einmal die Szenerie, denn eine neue Vegetationszone ist erreicht: Von nun an führt der Weg eingerahmt von Bäumen und Farnen steil hinab ins Tal. Es ist kühl und schattig, Vögel zwitschern zwischen den Bäumen und links und rechts am Wegesrand wachsen Farne und Moose.

Ein wenig oberhalb des Tals kündigt ein immer lauter werdendes Donnern und Rauschen ein weiteres Highlight des WildeWasserWegs an: den Grawa Wasserfall. Der Weg wird zu einer kleinen Aussichtsplattform am oberen Ende des Wasserfalls, die ein weiteres Mal den Blick auf das wilde, ins Tal donnernde Gebirgswasser freigibt.

4 WildeWasserWeg Sulzenauhütte Sulzenaufall 6 Sulzenaualm WildeWasserWeg Stubai 7 Wandern Stubai Sulzenaualm WildeWasser

Grawa Wasserfall bis Grawa Alm: Naturspektakel mit Aussichtsliege und Hütten-Schmankerl

Dabei ist der Grawa Wasserfall nicht weniger beeindruckend als der Sulzenaufall: Vor allem im Sommer schwillt er auf eine Breite von bis zu 85 Metern an und stürzt um die 180 Meter in die Tiefe. Wieder spüren wir die Kraft des Wassers und die kalte Gischt auf der Haut.

Durch den Wald und über Holzstege folgen wir dem letzten kurzen Stück des Wegs bis ganz hinunter ins Tal. Hier am Fuße des Grawa Wasserfalls stoßen wir auf eine weitere Aussichtsplattform, wo es sogar eine Plattform mit Holzliegen gibt, von denen man das gesamte Wasser-Spektakel aus unmittelbarer Nähe entspannt auf sich wirken lassen kann. Was für ein schöner Abschluss der Tour!

Nur ein paar Minuten weiter endet unsere Wanderung mit einer letzten leckeren (und wohlverdienten) Einkehr bei der Grawa Alm, von der es nur noch wenige Meter bis zur Straße und zum Parkplatz sind – den Grawa Wasserfall immer noch im Blick und das Rauschen der wilden Wasser in den Ohren.

Infos:

Gehzeit: ca. 3 Stunden
Höhenmeter: 660
Distanz: ca. 4 km

Schwierigkeitsgrad: leicht – moderat, für Familien geeignet

Einkehren: Sulzenauhütte, Sulzenaualm, Grawa Alm

Start: Parkplatz oberhalb der Grawa Alm an der Gletscherstraße durchs Stubaital (hinter Neustift und kurz vor der Talstation des Stubaier Gletschers). Auch ohne Auto zu erreichen mit dem öffentlichen Bus.

Tipp: Die Wanderung mit einer Tour von der Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn (Dresdener Hütte) über das Peiljoch zur Sulzenauhütte verbinden (oder in umgekehrter Richtung) und von dort über den WildeWasserWeg wieder ins Tal absteigen. Wer die Tour nicht an einem Tag gehen will, kann in der Sulzenauhütte übernachten.
Mehr zu dieser Tour in diesem Bericht.

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