Jede Gemeine im Stubaital hat seine eigene Musikkapelle, d.h. ein Tal – 5 Musikkapellen.

Für die Dorfgemeinschaft sind die Musikkapellen sehr wichtig, sie begleiten kirchliche Veranstaltungen wie Prozessionen,  die Erstkommunion und auch die Firmung.

Eine Musikkapelle hat aber weitaus mehr Aufgaben und muß gerade im Sommer sehr oft ausrücken, wie man das Sammeln und gemeinsame Auftreten nennt. Im Sommer finden wöchentlich Platzkonzerte für die Gäste und Einheimische statt. Den musikalische Höhepunkt jeder Musikkapelle ist das jährlich stattfindende Frühjahrskonzert, wofür immer viel Probenarbeit geleistet wird.

Die Muskikapelle Neustift wurde 1825 gegründet, in Mieders kam es 1830 zur Gründung der Musikkapelle, in Telfes entstand eine eigenständige Feldkapelle erst später (1869). In Schönberg wurde die Musikkapelle erst im 20. Jahrhundert gegründet.

 

Die Stubaier Musikkapellen sind mit den Wipptaler Musikkapellen zu einem eigenen Musikbezirk zusammengefasst. Dieser hat im Jahre 1986 ein Album mit zwei Langspielplatten herausgebracht, auf denen alle gemeinsam zu hören sind.
Regelmäßig treffen sich die 15 Musikkapellen des Musikbezirks Stubai/Wipptal zu einem Bezirksmusikfest, dieses Jahr findet es vom 29. Juni bis 01. Juli in Fulpmes statt.

Das Musizieren im Stubai beschränkt sich natürlich nicht auf die Musikkapellen. Die Mitglieder verstärken oft die dörflichen Kirchenorchester, diese begleiten wiederum die Kirchenchöre, deren Auftritt nicht nur auf den sakralen Bereich beschränkt sind.

Die frühesten Nachrichten über dörfliche Musik beziehen sich meist auf kirchliche Anlässe. In Fulpmes wird die dörfliche Musik bei diesen Anläßen schon im Jahre 1656, in Telfes 1761 erwähnt. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die Kirchenmusik aus den Städten auch das Land. Im Stubai hatte das Kloster Maria Waldrast an der Weiterentwicklung bedeutenden Anteil, indem es Musikerzieher stellte. Als es 1785 aufgehoben wurde, erwarben die Fulpmer die Streich-und Blasinstrumente des Klosters.

Die Zeit nach den Napoleonischen Kriegen und der Bayernherrschaft war für die Entstehung von „Musikbanden“ aus vielerlei Gründen dienlich. Zu den herkömmlichen Holz-und Blechinstrumenten, gesellte sich nun auch das Schlagzeug, welches nach den Türkenkriegen Eingang in die Europäische Militärmusik gefunden hatte. Die Militärmusik war durch ihre Vorbildwirkung und durch ausgediente Musiker ein Anreger für Stadt- und Dorfkapellen.
Musiker der Kirchenmusik haben oft bei diesen frühen Formen von Musikkapellen mitgewirkt, Kirchenmusik und „Spiel“ dienten also als Grundsteine für die neue „türkische Musik“.

bild erzherzogin blogEinen großen Förderer fand die Stubaier Musik im Freiheitskämpfer und Musikmäzen Michael Pfurtscheller, der durch seine finanziellen Möglichkeiten, die im Aufbau befindliche Feldkapelle förderte, Instrumente kaufte, den Unterricht der Musiker förderte und die Musik sogar in seinem Testament bedachte.

Es war ein Impulsgeber des Stubaier Kulturlebens.Er wirkte auch auf eine einheitliche Stubaier Tracht für die Musik er hin. So hat er 1814 zu einer Parade aufgerufen und darin verschiedene Kleidungsvorschriften erlassen.

In dieser Tracht ist die „Stubaier Musikbande“ – die heutige Bundesmusikkapelle Neustift, auf einer Zeichnung abgebildet, die sie bei einem Ständchen für die Erzherzogin Maria Luise auf dem Alpeiner Ferner im Jahre 1823 zeigt…

 

lithographie800x540und so rückte sie auch 1838, im Verein mit den Schützen, zur Kaiserhuldigung in Innsbruck aus.
Bei der großen Besetzung der Feldkapelle von 1838 ist auszugehen, das sich diese aus Musikern aller Orte des Tales zusammensetzte.

 

 

 

 

 

Die Musikkapellen geben nicht nur kirchlichen und weltlichen Anlässen im Dorf einen festlichen Rahmen, sie machen ihrem Namen und dem Stubaital auch bei Auslandstourneen Ehre und verschönern für die vielen Urlaubsgästen deren Aufenthalt mit regelmäßigen Konzerten. Speziell dafür sind in allen Gemeinden Musikpavillons errichtet worden, der erste entstand 1961 in Telfes.

MUSIK VERBINDET!

„303 Musikkapellen in 19 Blasmusikverbänden mit 15.650 aktive Mitglieder in ganz Tirol, leisten einen großen volkskulturellen Beitrag für die gesamte Bevölkerung und seiner vielen Gäste. Sie stärken den Zusammenhalt und die regionale Identität, sie fördern die Kommunikation, vermitteln wichtige Werte und verbinden Generationen. Mit ihren farbenprächtigen Trachten und ihrer schönen Musik bilden sie einen würdevollen Rahmen für Feste aller Art, bei denen sie viel Freude beim Publikum stiften.“  – Landeshauptmann Günther Platter, Präsident des Tiroler Blasmusikverbandes

 

Bilder:
1. ©BMK Neustift
2. Zeichung: Franz Xaver Schweighofer: ©Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck
3. Lithographie: Feierlicher Aufmarsch der Stubaier Scharfschützen-Compagnie, Lithographie von Andreas Ziegler, C.A. Czichna, ©Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

back