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Heiß und kalt, friedlich und schaurig – das sind im Stubaital keine Widersprüche. Zur Adventszeit kommen wir in den Genuss von beidem. Hier trifft naturnahes Skivergnügen auf gruselige Unterhaltung. Doch wie passt beides zusammen?

Bereits im Oktober startet am Stubaier Gletscher die Skisaison. Wir kommen Ende November und stellen damit unseren persönlichen Rekord auf, denn so früh in der Saison waren wir bisher noch nie beim Skifahren. Wir sind gespannt, wie die Pistenbedingungen sein werden und wie es uns das erste Mal wieder auf Skiern ergehen wird.

Winterwonderland am Gletscher

Möglichst früh am morgen machen wir uns auf den Weg und fahren auf der Stubaitalstraße zur Talstation der Eisgratbahn. Bereits nach wenigen Höhenmetern verändert sich die Landschaft, die Bäume sind tief verschneit, der Schnee wird immer höher. Nun steigt unsere Vorfreude und wir können es kaum noch erwarten, unsere Skier anzuschnallen und in die Winter-Skisaison zu starten.

Wir fahren mit der 3S Eisgratbahn in 12 Minuten von der Talstation zur Bergstation Eisgrat und überwinden damit einen Höhenunterschied von über 1.200 Metern. Wir wollen aber gleich bis ganz hinauf und steigen deshalb in die Schaufeljoch Gondel ein und fahren bis zum höchsten Punkt auf 3.170 Metern, den „Top of Tyrol“. Als wir oben aussteigen, staunen wir nicht schlecht, denn es liegen über drei Meter Schnee! Die Sonne scheint und der Ausblick auf die Stubaier Bergwelt ist fantastisch.

Aufgeregt und noch etwas unsicher auf den Skiern starten wir unsere erste Abfahrt. Die Piste ist butterweich und die ersten Schwünge klappen schon ganz gut. Mit jeder weiteren Abfahrt kommen wir besser in unseren Rhythmus, die Muskeln werden warm und wir können gar nicht genug bekommen. Das ist am Stubaier Gletscher auch kein Problem, denn insgesamt stehen dem Wintersportler 35 rasante Abfahrten zur Verfügung und damit ist es das größte Gletscherskigebiet Österreichs.

Wäre da nicht die grandiose Bergkulisse mit seinen kolossalen Dreitausendern, die wir immer wieder bestaunen müssen, könnten wir ohne Unterbrechung immer weiter die Hänge hinab wedeln. An den Liften warten müssen wir so gut wie gar nicht. So können wir den Tag intensiv nutzen und legen einiges an Pistenkilometern zurück. Zum Abschluss fahren wir schließlich noch die 5,5 Kilometer lange Fernau Talabfahrt hinab. Das macht Spaß! Wer hätte gedacht, dass die Schneebedingungen so perfekt sind? Ich glaube, wir werden zum „Advents-Skifahr-Wiederholungstäter“!

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Gruseliger Tuifl-Lauf in Neustift

Abends gibt es ein Spektakel der besonderen Art, denn die Hölle öffnet seine Pforten und es startet der jährliche Tuifl-Lauf. Das Tuifllaufen hat im Stubaital Tradition und ist ein Tiroler Brauchtum, das bis auf die heidnische Zeit zurückgeht. Der Teufelsknecht wurde ausgesandt, um die verdammten Seelen einzufangen und zu bestrafen. Die lärmenden Umzüge der satanischen Figuren fanden wohl schon 500 n. Chr. statt. Heute laufen die Tuifl (Teufel) traditionell in der Vorweihnachtszeit im Stubaital.

Mit viel Rauch, rotem Feuer, rasselnden Ketten und lauten Schellen laufen die Tuifel am Dorfplatz von Neustift ein. Insgesamt präsentieren sich fünf Tuifl-Gruppen aus den umliegenden Regionen, inklusive der Junior-Tuifl-Gruppe von Neustift. Der jüngste Tuifl ist gerade mal sechs Jahre alt. Die Figuren sind in Felle gehüllt und tragen handgeschnitzte kunstvolle Holz-Masken. Leuchtende Glasaugen, Horrorfilm taugliche Fratzen und gewaltige Hörner lehren den Zuschauern das Fürchten. Die passende Untermalung mit Hardrock, ala Rammstein-Musik, machen das Höllenspektakel perfekt. Jede Gruppe hat seine eigene Inszenierung mit viel Rauch, infernalischem Lärm und besonders gruseligen Masken.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, denn wem es von dem teuflischen Treiben noch nicht heiß genug ist, der kann sich mit einem Glühwein aufwärmen. Nach dem Tuifel-Lauf ist die Veranstaltung noch nicht zu Ende, denn die Musik und die Party geht anschließend weiter.

Wir entscheiden uns jedoch, den Tag ruhig bei einem Becher Glühwein am Christkindlmarkt in Milders ausklingen zu lassen. Mit etwa zehn Ständen ist der kleine Markt überschaubar und gemütlich und den Glühwein gibt es stark und heiß. Ideal, um diesen intensiven Tag im Stubaital ausklingen zu lassen.

Text und Fotos ©ReiseSpatz

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