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Als nicht Stubaierin bin ich es ja schon gewohnt und freue mich auch immer wieder, neue Facetten des wunderschönen Stubaitals entdecken zu dürfen.

So weckte durch Zufall das Buch „Wandern zu Sagen und Mythen im Stubaital“ mein Interesse. Ich bin zwar nicht abergläubisch, eine gewisse Neugier wecken solche Geschichten aber sehr wohl in mir.

Und wie es ein weiterer Zufall so will, brachte mich meine nächste Tour auf eine Sage von der ich Euch heute berichten will. Mit Ausgangspunkt in Telfes-Kapfers und Ziel an der Halslkapelle am Übergang in die Axamer Lizum führt ein gemütlicher Wanderweg in ca. 3 Stunden in eine Hochgebirgslandschaft mit faszinierender Rundsicht. Eigentlich handelt es sich bei dieser Route um den alten Telfer Bittprozessionsweg, wo man Gott um gute Ernte und den Schutz vor Hagel und Unwetter bat. Beim Rasten mit traumhaftem Blick auf die Telfer Wiesen und die dazugehörigen Äcker schoss mir da die Sage „Die Hexen von der Saile“ wieder in den Kopf. Kaum zu glauben, dass die Existenz dieser ganzen wunderschönen Naturkulisse damals derartig von Hexen bedroht wurde.

Und so erzählt die Sage: „Jeden Donnerstag versammeln sich die Hexen, über die es im Stubaital ja schon das eine oder andere zu erzählen gibt, am Sailjoch und brauten böse Unwetter zusammen um den Bauern ihr Land und ihre Ernte zu beschädigen oder gar zu zerstören. Und wenn im Telfer Kirchturm nicht die große Wetterglocke hängen würde, dann wären die schönsten Wiesen und Kornäcker in Telfes schon längst vermurte Schuttflächen. Der Mesner in Telfes hatte von alters her den strengen und äußerst wichtigen Auftrag, diese Glocke rechtzeitig zu läuten. Versäumte er es oder kam zu spät, lagen nicht selten an die tausend Getreideschober vom Hagel zerschlagen auf dem Boden. Die mächtige Glocke von Telfes hatte einen besonders eindringlichen, tiefen Klang, welcher sich über die Jöcher erhob, sodass die Sailehexen machtlos waren. Umso öfter gingen dann die Unwetter über das bedauernswerte Nachbardorf Kreith nieder, das keine so machtvolle Glocke besaß. Daraufhin boten die Kreither Bauern der Gemeindes Telfes sogar 2000 Gulden – den Preis für einen schönen Hof – unter der Bedingung, dass die Glocke bei Unwetter nicht mehr geläutet werde. Die Telfer gingen auf diesen Handel natürlich nicht ein und so ist es dem Mesner und dem tiefen Klang der Glocke im Telfer Kirchturm wahrscheinlich zu verdanken, dass sich auch heute noch Landwirte, Einheimische und Touristen über die grünen Wiesen und Äcker freuen dürfen.“

Der Rückweg von der Halslkapelle führt über die Pfarrachalm im Ski- & Wanderzentrum Schlick 2000, welche zum Verweilen einlädt und anschließend über den Güterweg wieder zurück zum Ausgangspunkt in Telfes-Kapfers. Etwas mulmig wird einem fast, wenn man bedenkt welches Fabelwesen hier überall lauern könnte und irgendwie bekomme ich beim nächsten Unwetter den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf, dass jemand anders seine Finger im Spiel haben könnte.

P.S.: Eine Tour, die auch an den erwähnten Schauplätzen vorbei führt, findet ihr hier.

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