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Freilich wohnt so einer Hüttenübernachtung ein einzigartiger Zauber inne. Aber man muss sich auch bewusst sein, dass Komfort hoch oben am Berg eine absolut untergeordnete Rolle spielt.

Die gut ausgebaute Infrastruktur erleichtert uns das Erkunden des Gebirges maßgeblich. Hütten sind nicht nur willkommene Einkehrmöglichkeiten unterwegs, sie sind seit jeher auch Schutz- und Zufluchtsort und bieten passionierten Wanderern und Bergsteigern im Sommer – teils auch im Winter – einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Sei es auf dem Stubaier Höhenweg oder als Zwischenstation auf Touren zu den ganz großen Gipfeln – wer viel vor hat, bezieht unterwegs Quartier. Manche lieber, manche nicht so gern. Um ehrlich zu sein.

Ohne Schnickschnack

Dazu will ich gleich voraus schicken, dass die HüttenwirtInnen in den Stubaier Alpen total um das Wohl ihrer Gäste bemüht sind. Sie tun alles, um deinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Verpflegung ist in der Regel sehr gut und die Unterkünfte sind sauber. Zugleich sind die Gebäude aber oft an die 100 Jahre alt. Freilich wurden viele zwischenzeitlich renoviert, um- und ausgebaut. Aber der Charme früherer Tage wohnt Schutzhütten in den Alpen nun mal inne. Das hat Vor- und kleinere Nachteile – ist romantisch, erfordert aber auch Verzicht. Was ich sagen will: Es sind eben keine Hotels, die da oben betrieben werden. Das sollte dir bewusst sein. Aber wenn du dich darauf einstellen kannst, wirst du in vielerlei Hinsichten belohnt!

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Auf engem Raum

Also gibt es einiges zu bedenken, bevor du deinen Rucksack packst (dazu später mehr) und dich zu einer Zwei- oder Mehrtagestour aufmachst. Wahlweise kannst du auf den meisten Hütten in rustikalen Zimmern oder Lagern nächtigen. Preis und Verfügbarkeit sind hier die ausschlaggebenden Kriterien. Es gilt Öffnungszeiten zu beachten und gerade in der Hochsaison unbedingt zu reservieren! Im Zimmer sind zwei bis vier Bergfreunde untergebracht. Im Lager schläft man für gewöhnlich mit rund fünf bis zehn fremden Personen. Oft auch gemischten Geschlechts. Der Platz ist dementsprechend begrenzt. Eine simple Ablage für das persönliche Hab und Gut muss reichen. Duschen gibt es nicht immer. Die Sanitäranlagen befinden sich am Flur und werden gemeinschaftlich genützt. Das gilt auch für die Bewohner von Zimmern.

Verträglichkeit

So viel zu den „Hard Facts“. Dann kommen noch ein paar individuelle Faktoren hinzu, die die Qualität der Nachtruhe mit beeinflussen: Dazu gehört die Seehöhe. Dem Einen bekommt die dünnere Luft besser, dem Anderen macht sie vielleicht doch etwas zu schaffen. Normalerweise sollte eine Übernachtung auf ca. 2.200 m kein Problem darstellen. Erst recht nicht (mehr), wenn man wie am Stubaier Höhenweg mehrmals hintereinander auf Hütten schläft. Der Körper gewöhnt sich, man akklimatisiert. Das ist für die Unternehmungen tagsüber natürlich auch ideal.

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Kriecht man allerdings erst einmal auf über 3.000 m ins Bett, stellt sich die Sache mit der Höhe wieder ein bisschen anders dar. Da spürt man gleich wesentlich mehr … Im direkten Einzugsgebiet des Stubaitals befinden sich mit der Müllerhütte, dem „Wolkenschloss“ Becherhaus und der Hochstubaihütte allerdings „nur“ drei Unterkünfte über der „magischen Marke“ und damit im absolut hochalpinen Bereich. Alle anderen Stützpunkte sind deutlich niedriger angesiedelt.

Kurze Nächte und andere Begleiterscheinungen

Das Gerücht „einer schnarcht immer“ bewahrheitet sich leider gerne. Überhaupt sind Geruchs- wie Geräuschkulisse nicht zu unterschätzen. Lagerkollegen, die beim Toilettengang im Dunkel nicht leise (genug) sind können einen genauso schnell um den erholsamen Schlaf bringen, wie knarrende Treppen oder Dielen oder auch einfach nur der Wind, der heftig um die Hütte pfeift. Natürlich empfindet man auch Menschen als störend, die ganz früh aufstehen und im umher huschenden Schein ihrer Stirnlampen Reißverschlüsse auf und zu zippen und/oder mit Karabinern und Gurtzeug klappern, wenn sie sich fertig machen. Generell sind die Nächte kurz. Ich für meinen Teil kann in allen Höhenlage(r)n von solchen und solchen Erfahrungen berichten. Mal schlief ich „wie ein Baby“, mal lag ich unangenehm lange wach. Es kommt eben auch auf die Tagesverfassung und vielleicht auch den „Grad der Aufregung“ vor dem nächsten Tag und, und, und an.

Abschalten vom Alltag

Lass dich also bitte keinesfalls er- bzw. abschrecken: Erstens darf man niemals vergessen, wofür man das alles auf sich nimmt. Zum Gelingen einer Bergtour gehören nun mal ein paar Entbehrungen dazu – ja, ich möchte behaupten, dass die ein schönes Bergerlebnis erst richtig ausmachen. Es ist nämlich genau der fehlende Luxus, der uns entschleunigt. Der uns aufzeigt, welch kleiner Punkt wir in der weiten Landschaft fernab von der Hektik im Tal sind. Und wie unwichtig vermeintliche Sorgen werden können, wenn der Fokus einmal länger als ein paar Stunden ganz anders ausgerichtet ist. Herrlich! Und zweitens ist der Körper nach den oft doch anstrengenden Märschen ja auch richtig müde und das kann sogar in ungewohnt „schwieriger“ Schlafumgebung Wunder wirken. Zudem kannst du dir mit einem Glas Rotwein zum Abendessen, Ohropax (nicht vergessen) und/oder etwa homöopathischen Tropfen ins Land der Träume verhelfen.

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Gemeinschaft & Gaudi

So und jetzt ist es höchst an der Zeit noch einige absolut positive Aspekte aufzulisten, die den eingangs erwähnten Zauber auf den Hütten ausmachen. Da wäre zum Beispiel das Miteinander. Jeder Bergfreund hat die selbe Intention: Draußen sein, oben sein, den Alltag hinter sich lassen – sich vielleicht einer großen Herausforderung stellen. Das verbindet. Man tauscht sich aus, ist füreinander da. In den gemütlichen Stuben mit den karierten Tischdecken und den alten Bildern am Getäfel herrscht eine spezielle, lockere Atmosphäre. Hier ist nur das „du“ und kein Titel wichtig.

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Am Ende ist weniger mehr

Dann wären da noch die geselligen Hüttenabende. Manchmal wird nach dem gemeinsamen Abendessen musiziert, was die Stimmung weiter anhebt. Aber Achtung: Nicht zu lange, denn ab ca. 22 Uhr wird die Hüttenruhe ausgerufen und die ist strikt einzuhalten. Gut so, denn der nächste Tag beginnt bekanntlich früh 😉 Womit wir bei einem weiteren Plus wären: Dem Sonnenaufgang. Meiner Meinung nach ist er nirgends so schön, wie da oben. Morgenstund hat hier wahrlich Gold im Mund! Das gilt übrigens auch für den Sonnenuntergang. Das Gefühl, wenn man aus einem der kleinen Hüttenfenster blickt, von gewaltiger Bergwelt umringt ist und einem die Zivilisation zu Füßen liegt, ist kaum zu beschreiben. Das sollte man erlebt haben! Und zu guter Letzt wartet ja noch das eigentliche Bergabenteuer, das man für sich auserwählt hat. Das zu meistern bestärkt sowieso in jeder Hinsicht und für lange Zeit.

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„Back to basic“ – probier es aus!

Zum Abschluss noch ein paar Tipps, was auf Zwei- oder Mehrtagestouren zusätzlich zur ansonsten üblichen Ausrüstung wie ordentlichem Schuhwerk und ausreichend (warmer) Kleidung samt Regenschutz und Reservewäsche – auch, weil die Sachen auf den Hütten oft schlecht trocknen, Verpflegung, etwaigen Medikamenten, Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz etc. im Rucksack nicht fehlen sollte. Mit der Packliste möchte ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, jeder muss selber entscheiden, wie viel er tragen will bzw. schlussendlich kann und was er für seine Unternehmung wirklich braucht (Steigeisen und Pickel oder nur eine Sonnenbrille 🙂

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Gewicht sparen und trotzdem alles dabei haben, lautet jedenfalls die Devise.

  • Hüttenschlafsack ist selbst mitzubringen – kuschelig-warme Decken, manchmal auch echte Federbetten werden gestellt
  • Hüttenpatschen für den Abend – manchmal auch verfügbar
  • eine bequeme Jogginghose oder Ähnliches für den Abend
  • Hygieneartikel am besten im Miniformat
  • kleines Handtuch
  • Ohropax
  • Taschen- oder Stirnlampe – Handy geht auch (Ladegerät!)
  • Bargeld
  • (D)AV-Ausweis für Ermäßigungen
  • Trinkflasche/Thermoskanne für den Marschtee, der üblicherweise ausgegeben wird
  • Plastikbeutel (für Abfälle, Dreckwäsche)
  • Wanderkarte
  • Blasenpflaster/Tape

Tipp am Rande: Funktionsshirts und Unterwäsche aus Merino-Wolle sind besser für die Nase. Sie riechen weniger stark nach Schweiß – eure Zimmergenossen werden es euch danken! In diesem Sinne wünsche ich viele unvergessliche Momente in der wunderbar-imposanten Stubaier Natur! Ja und wer weiß, vielleicht kommt die erste Hüttenruhe auch gar nicht allein …

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