Der Palmsonntag ist in Tirol, und somit auch im Stubaital, einer der bedeutendsten katholischen Feiertage. Es wird dabei an den Einzugs Jesus in Jerusalem gedacht und dieser schicksalshafte Tag wird auch heute noch flächendeckend hochgehalten – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nämlich dann, wenn Dorfbewohner aller Generationen sich mit langen, bunt dekorierten Stangen, an deren Enden Palmbuschen befestigt sind, versammeln und damit in die Kirche einziehen, um eine Messe zu feiern. Die sogenannten Palmlatten werden von Hand gefertigt und können, je nach Region, unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Wie eine Palmlatte richtig gebunden wird, habe ich mir von einem Freund mal zeigen lassen.

Wir haben uns am Samstag vor dem Palmsonntag in Telfes getroffen und sind erst mal gemeinsam mit unseren Kindern und den Frauen in den nahegelegenen Wald gegangen, um dort die Materialien, die wir zum Anfertigen unserer Palmlatten benötigten, zu besorgen. „Mitnehmen musst du nur eine Holzstange, Ölzweige und Krepp-Papier. Alles andere finden wir im Wald“, hat er mich am Vortag schon telefonisch wissen lassen.

Bewaffnet mit Gartenscheren, Körben und Taschen machten wir uns also auf und begannen als erstes den „Hoadach“, wie die Blüten des Heidekrauts Erika mundartlich genannt werden, abzuschneiden. Als wir davon eine beachtliche Menge beisammen hatten, ging es weiter mit dem Sammeln der „Kranewitten“ – den Zweigen der Wacholderbeer-Stauden (Achtung stachelig!). Dann holten wir uns noch jede Menge Buchs-Büschel und kehrten voll bepackt zurück in seinen Garten, wo die Palmlatten schließlich gebunden werden sollten. Unweit des Hauses schnitten wir zuvor aber noch ein paar Zweige des wichtigsten Materials – dem Palmkätzchen – von einem Baum und dann legten wir los.

Die bunten Erika-Blüten auch Hoadach genannt.Beim Abschneiden der Erika-Blüten.Die stacheligen Kranewitten.

Auf die Frage, wie wir denn das Binden angehen, antwortete mir mein Freund, der das Palmlattenbinden von seinem Großvater gelernt hat: „Die Palmbuschen werden ganz unterschiedlich gebunden, teilweise variiert das sogar von Ortschaft zu Ortschaft. Die einen machen sie etwas buschiger und nehmen viele verschiedene Gewächse, die anderen – so wie wir – binden sie etwas schlanker und nehmen nur Ölzweige, Palmkätzchen, Kranewitten, Hoadach (Erika) und Buchs.“ Aus Ermangelung an genügend Material hat er aber später dann beim Binden doch auch noch etwas Eibe und Thuje untergemischt ;-).

Beim Binden der Latte wird zuerst ein Metall-Draht mit einem kleinen Nagel unterhalb der Spitze der Holzstange befestigt. Dadurch kann man die Zweige dann mit dem Draht immer wieder umwickeln und gut festziehen. Begonnen wird mit den Ölzweigen und den Palmkätzchen. Sie bilden die Spitze der Latte. Dann kommen die stacheligen Kranewitten an die Reihe. Sicherheitshalber haben wir uns für diesen Arbeitsschritt dicke Bauhandschuhe angezogen. Danach noch Buchs sowie die schön violett-rosafarbenen Erika-Büschel und fertig ist die erste Reihe. Nach und nach kommen dann, immer abwechselnd, Buchs-Erika-Buchs dazu, bis genügend Reihen an der Stange sind. Am Ende wieder gut mit Draht verschnüren und mit einem zweiten Nagel fixieren.

Die Palmlatten stehen zum Binden bereit.Am Anfang wird der Draht mit einem Nagel an der Latte befestigt.Die befestigten Palmkätzchen.

Gebunden wird in etwa das obere Fünftel der Palmlatte. Das kommt aber auch auf den Geschmack und vor allem auf die Statik und das Gewicht der Latte an, schließlich sollte sie ja noch getragen werden können. Je mehr Buschen und damit auch Draht befestigt sind, desto schwerer und kopflastiger wird sie.

Wenn der Kopf der Palmlatte fertig ist, werden der Stiel und die Buschen dann noch mit Krepp-Papier verziert. Bei den Farben gibt es hier keine Vorgaben, Hauptsache schön bunt.

Der fertige Palmbuschen.Das Anbringen des Krepp-Papiers.Der fertige, bunt verzierte Palmbusch.

Mein Sohn und ich sind dann schließlich beim Palmsonntags-Umzug in Fulpmes mitgegangen. Vorher haben wir aber noch die süßlich schmeckenden Palmbrezen, die wir frisch beim Bäcker besorgt haben, an unsere Palmlatte gebunden.

Nächstes Jahr sind wir sicher auch wieder mit dabei und dann vielleicht schon mit einer etwas größeren – sprich längeren – Palmlatte.

Die süßen Palm-Brezen.Die Palmlatten werden gesegnet.Beim Umzug mit den Palmlatten.

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