Selbstverständlich wird das Ostergrab in Fulpmes auch dieses Jahr wieder aufgebaut“, versichert mir Josef Wetzinger, der Pfarrkurator der Marktgemeinde Fulpmes am Telefon.

Die Ostergräber, eine kulturhistorische Besonderheit aus dem 17. Jahrhundert, waren viele Jahre ja leider garnicht mehr in den Kirchen Tirols und Südtirols zu sehen. Ende des 20. Jahrhunderts hat man einige der schönsten Ostergräber dann wiederentdeckt, restauriert und aufgebaut. Nunmehr gehören sie erneut zum festen Bestandteil etlicher Gotteshäuser der katholischen Kirche. Im Stubaital auch. Besonders schöne und historisch wertvolle Ostergräber werden von fleißigen, freiwilligen Helfern ebenfalls in Neustift, Schönberg und Telfes zur Osterzeit in den Kirchen installiert. Manche im Vier- oder Fünf-Jahres-Rhythmus und manche eben auch jedes Jahr. So wie in Fulpmes.

Dass es in dieser kurzen Zeit recht emsig zugeht, hat meine Kollegin Kristina Erhard vor einigen Jahren beim Blick auf das Ostergrab in Fulpmes mal selber miterleben dürfen. Damals hat sie mit Pfarrer Josef Scheiring gesprochen und er hat ihr so einiges verraten.

Ein Blick hinter die Kulissen der Karwoche

Seit Palmsonntag ist die katholische Kirche im Ausnahmezustand. Über 100 Helfer sind über die nächsten Tage auf Trapp zu halten. Die Karwoche („Kar“ von dem althochdeutschen Wort „Kara“ – Trauer) in Fulpmes und den anderen Gemeinden des Stubaitals hat mit einer „stillen Woche“ nicht mehr viel zu tun. Es gilt das Ostergrab aufzubauen, den Chor einzustimmen und die Ministranten einzuteilen. Kristina hat den damaligen Pfarrer Josef im Widum in Fulpmes getroffen und er hat ihr vom Ablauf der Karwoche erzählt: „Einen Sonntag vor dem Palmsonntag verhüllt man alle Kreuze in den Kirchen. Am Palmsonntag selbst beginnt die Karwoche mit den Feierlichkeiten zum Einzug Jesus nach Jerusalem.“

In Fulpmes wird dieser Einzug in Form einer Prozession samt Palmlatten zelebriert – nach dem Motto je größer die Palmlatte desto feierlicher das Fest. Danach hat die Pfarrgemeinde mehr oder minder drei Tage Pause bevor sie am Gründonnerstag das letzte Abendmahl feiert. Wenn der Kirchenchor das Gloria anstimmt, läuten ab diesem Zeitpunkt bis zur Jesus Auferstehung am Sonntag keine Glocken. Der Volksmund sagt dazu auch, die „Glocken seien nach Rom geflogen“.

Ostern wichtiger als Weihnachten

35 Ministranten sind voll beschäftig. Jeden Tag steigen sie mit ihren Ratschen auf den Kirchturm und machen so viel Lärm wie möglich. Morgens, mittags und am Abend. Dann wann halt die Glocken läuten sollten“, erzählte Pfarrer Josef mit glänzenden Augen. „Und der Chor“, schwärmte er weiter, „das ganze Jahr bereiten sie sich auf Georg Friedrich Händels Osterkonzert vor.“

Als er dann auch gleich noch aufsprang und Kristina das Fulpmer Relief zum letzten Abendmahl zeigte, spürte sie seine Leidenschaft für Ostern. „Das Relief zum letzten Abendmahl ist 500 Jahre alt und ich halte es normalerweise unter Verschluss“, verriet Pfarrer Josef, bevor er ihr auch noch eine exklusive Vorstellung des Ostergrabs in der Kirche gab. Allerdings noch ohne Beleuchtung, denn die wird dann erst in der Nacht auf den Ostersonntag eingeschaltet. Begleitet von einem Megaspektakel, wie Katarina erfuhr. Mit Pauken und Trompeten, Chor und Ratschen. Eben alles was das Dorf zu bieten hat.

Und das ist auch gut so, denn die Osterwoche ist – zumindest laut katholischer Kirche – wichtiger als Weihnachten, immerhin ist der Sohn Gottes auferstanden.

Frohe Ostern, Stubaital!

 

Text: TVB Stubai/Kristina Erhard
Fotos: Kristina Erhard, Florian Huter, Josef Gleinser, TVB Stubai Tirol