Nico_David Gleirscher

Für die beiden Weltklasse-Rennrodler David und Nico Gleirscher hat der Winter bereits im April begonnen. Ihre Vorbereitungen auf die Rennsaison laufen auf Hochtouren. Ihr Ziel ist die Winterolympiade 2022 in Peking und natürlich eine Medaille.

Es ist Spätsommer, entspannt sitzt David Gleirscher am Wohnzimmertisch. Er ist gerade vom Trainingslager mit der österreichischen Rennrodel-Nationalmannschaft zurückgekommen und genießt jetzt wieder den herrlichen Ausblick auf Neustift.

Ganzjahres-Training und Olympiaticket

Immer wieder werde er gefragt, ob er denn schon mit dem Training für Olympia begonnen habe. „Da muss ich immer lachen. Wir trainieren schon seit April für die neue Rennsaison“, bestätigt der Olympiasieger von 2018 im Rennrodeln. Damals in Pyeongchang/Südkorea war es eine große Überraschung, dass der junge Stubaier ganz oben auf dem Podest gelandet ist. Vier Jahre später zählt er bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking zu den Medaillenanwärtern. So wie auch sein Bruder Nico, der bei den Rennrodel-Weltmeisterschaften 2021 in Königssee Gold im Sprint-Bewerb geholt hat.

Das Olympiaticket haben die beiden allerdings noch nicht in der Tasche. Denn bevor sie an die Reise nach China denken können, müssen sie erst durch die interne Ausscheidung im österreichischen Rodelnationalteam. „Wir haben drei Startplätze bei Olympia, sind aber fünf Rodler, die alle in die Medaillenränge fahren können. Da ist alles offen“, erklärt David die Ausgangssituation. Das bedeutet für die beiden Stubaier vollen Einsatz bei den neun Weltcuprennen. Diese zählen als Qualifikation für einen Olympiastartplatz.

Olympia-Bahn bereits getestet und positiv bewertet

Erste Weltcup-Station ist heuer die neue Olympiabahn in Yanqing bei Peking. David ist einer von wenigen Athleten, die 2021 bei der Evaluierung der Bahn dabei waren und bereits erste Eindrücke sammeln konnten. „Ich denke, die Bahn liegt mir. Sie ist zwar leicht zu fahren, aber es ist schwer, schnell zu sein. Denn es gibt viele Linien und jeder muss für sich die beste finden“, so sein erstes Fazit. Die neue Olympiabahn dürfte den österreichischen Athleten entgegenkommen, hofft David: „Die Fahrzeit ist mit rund 58 Sekunden recht lang. Das ist für uns kein Nachteil, denn wir sind in den unteren Bereichen immer recht schnell.“

Die Rennen werden im Bereich von Tausendstelsekunden entschieden. Das bedeutet, dass selbst kleine Fehler kaum aufzuholen sind und auf jede noch so winzige Kleinigkeit geachtet werden muss. „Wir bremsen nicht im Eiskanal, deshalb ist der Start entscheidend für den Erfolg“, erklärt David. Entsprechend wird in der Vorbereitungszeit der Startablauf immer und immer wieder trainiert: drei Wochen im Startblock, drei Wochen spezifische Übungen, drei Wochen „Tatzeln“ (anschieben mit den Fingern). Bevor im Herbst das Training im Eiskanal beginnt, das Ganze nochmal. Dazwischen werden Trainingsblöcke und Trainingslager für Kraft, Schnellkraft, Koordination usw. gestreut.

Penibelste Abstimmung

Die extreme Leistungsdichte im Rennrodelsport macht den hohen Trainingsaufwand notwendig. Da muss natürlich auch das Material passen. Schließlich sind David und Nico auf absoluten Hightech-Sportgeräten unterwegs. Zu einem Rennen reist der Spitzensportler mit zwei Sitzschalen, vier Kufen und fünf Schienen – insgesamt rund hundert Kilo Gepäck – an. „Wir haben exakte Aufzeichnungen von allen Trainingsläufen mit Zeit, Temperatur, Wetter, Eiszustand usw. So können wir gut einschätzen, welche Kombination passen könnte“, erzählt David. Aber das reicht nicht. Es wird permanent getestet, geprüft und gemessen, um das beste Material für jede einzelne Bahn zu finden. Bei den Trainingsläufen vor Ort werden dann die richtige Abstimmung gesucht und Nachbesserungen vorgenommen. „Je schneller die Rodel ist, desto schwerer ist sie zu steuern. Man muss die richtige Balance finden. Diese hängt von der Bahn, den äußeren Bedingungen und der persönlichen Verfassung ab“, erklärt David.

Die mentale Stärke ist auch ein wesentlicher Faktor für den Olympiabewerb, der in vier Läufen an zwei Tagen ausgetragen wird. Das ist ungewöhnlich für die Athleten, denn ein Weltcuprennen wird in zwei Läufen, die an einem Tag durchgeführt werden, entschieden. Es gilt also, die Konzentration aufrechtzuerhalten. „In Korea war das für mich kein Problem. Ich hoffe, das wird mir auch in Peking gelingen“, so David Gleirscher.

Wir wünschen den Stubaier Rodlern weiterhin alles Gute, viel Erfolg, Gesundheit und drücken ihnen schon jetzt ganz fest die Daumen!