Auch wenn der vergangene Bergsommer für mich persönlich eine ziemliche Herausforderung war, so habe ich dennoch neue Trails entdecken und lässige Momente in der Natur verbringen können. Die Herausforderung bestand darin das Sporteln am Berg mit meinem Fulltime-Job unter einen Hut zu bringen. Ohne meine „Spielwiese“, die ich im Stubaital direkt vor der Haustüre habe, wäre es mir wahrscheinlich auch nicht so gut gelungen – Urban2Glacier eben. Alles in allem blicke ich aber sehr zufrieden auf das Jahr 2016 zurück und möchte euch mit drei kurzen Geschichten erzählen wie es mir dabei ergangen ist.

Über den Job und die Berge

Es ist Mittwoch und in den Bergen herrscht Bilderbuch-Wetter, zumindest im Tiroler Unterland, wo ich arbeite. Glücklicherweise gibt mir mein Job die Möglichkeit eine ziemlich stabile Work-Life-Balance zu halten. So fuhr ich an diesem Tag also um 15.30 Uhr nach Hause, zog mich schnell um und machte mich auf in Richtung des Stubaier Bergkranzes. Von einem Bilderbuch-Wetter war da dann leider keine Rede mehr. Dennoch hinderte der bereits wolkenverhangene Himmel mich nicht daran meinen Tages-Plan umzusetzen: 1.000 Höhenmeter von der Oberiss-Alm bis hinauf zum Rinnensee und als Belohnung ein Sprung ins kühle Nass. Der knackig technische Trail mit Gletscherblick – ab der Franz-Senn-Hütte begleitet einen linkerhand der gewaltige Alpeiner Ferner – hat mir wieder mal vor Augen geführt was Trailrunning im Stubaital bedeutet. Als ich schließlich um viertel nach acht Uhr abends auf 2.350 Metern Seehöhe angekommen bin, erlebte ich eine einzigartige Stimmung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: leichter Regen, pfeifende Gämse etwas oberhalb von mir, die riesige Gletscherzunge des Alpeiner Ferner im Hintergrund und ich schwimmend im kalten klaren Bergsee. Beim Abstieg kam ich zwar in die Dunkelheit, zu gewittern hat es aber erst angefangen als ich schon wieder bei meinem Auto war. Zu Hause habe ich dann festgestellt, dass sich mein Job mit dem Training doch nicht so schlecht vereinbaren lässt. Auch wenn es manchmal spät wird.

Mit Buddies ist es einfach besser

Was mich besonders freut ist, dass ich im Sommer neue Trailrunning-Buddies kennen gelernt habe. Am öftesten bin ich mit Martin Mattle einer Rakete aus dem Paznauntal, der bereits mehrere Titel im Trailrunning besitzt, gelaufen. Martin mag die atemberaubenden Panoramen mit Gletschern und Seen genauso gerne wie ich und deshalb sind wir im Juli mal gemeinsam eine nette Runde in der Gegend rund um die Sulzenauer Hütte gelaufen. In der Früh sind wir etwas oberhalb des Ruetz Katarakts gestartet und über die Nürnberger Hütte zur Mairspitze gelaufen. Meiner Meinung nach hat man von dort aus den schönsten Blick aufs Stubaital, einfach einzigartig. Man sieht den Wilden Freiger und das Zückerhütl mit dem Sulzenauferner und dem Grünausee, wo wir uns später abgekühlt haben. Das gehört bei uns einfach dazu und dafür nehmen wir uns gerne Zeit. Genauso wie für eine Einkehr in der Sulzenauer Hütte, wo uns die Brettljause aus heimischen Produkten die nötige Kraft für den Aufstieg zum Peiljoch gegeben hat. Später, als wir auf sonnigen 2.670 Metern am Übergang zum Mutterbergtal standen haben wir noch einmal zurück geblickt und einem natürlichen Schauspiel beiwohnen können als ein Wärmegewitter über der Sulzenau Hütte niederging. Zu zweit macht es einfach immer mehr Spaß: man kann gemeinsame Erlebnisse teilen, miteinander lachen und sich aber auch gegenseitig antreiben und weiter pushen.

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Rennen sind auch cool

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich nicht der beste Wettkampf-Läufer bin, weder in Speed- noch in Ultratrail-Distanzen. Alles was ich gut kann ist einfach die schönsten Trails zu finden und diese ordentlich auszukosten. Zweimal habe ich mir jedoch selber beweisen müssen wie gut ich eigentlich wirklich bin. So habe ich beim Stuiben Run im Ötztal teilgenommen. Obwohl ich total unerfahren war – es war mein erster wettkampfmäßiger Trailrun – so habe ich in der Gesamtwertung der Männer doch den elften Platz unter mehr als 100 Läufern erreicht. Für mich ein toller Erfolg.

Als ich dann im August beim Pitz Alpine Glacier Trail Run teilgenommen habe, bin ich schon mit einer klareren Strategie am Start gestanden: Es wird cool und flowig, ich werde mein eigenes Tempo laufen und ich komme mit einem breiten Lächeln ins Ziel. Meine Einstellung ist mir auf der 26 km langen und technisch schönen Strecke oberhalb des Taschachtals sehr zugute gekommen und so kam ich schließlich als Neunter ins Ziel. Es war einfach toll und es herrschte eine ausgelassene Stimmung im Ziel! Das muss dieses Jahr unbedingt wiederholt werden … aber dann möchte ich zu den Top 5 gehören.

Am Ende der Saison traue ich mir immer größere Sachen zu: Zum Beispiel die Brennerspitze oder die Serles vom Ortsteil Kampl aus. Gerade die Brennerspitze ist für mich ein gewisser Mittelpunkt der Stubaier Gletscherwelt. Von dort aus sieht man den kompletten Bergkranz der Stubaier Alpen – vom Habicht über das Zuckerhütl, zur Ruderhofspitze bis auf die Rinnenspitze. Wenn ich mich da so umschaue, dann sehe ich nicht nur die Gipfel, sondern vor allem viele unvergessliche Abenteuer verbunden mit sportlichen Leistungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Das ist meine Spielwiese, das ist das Stubaital: eine stadtnahe Gletscherwelt – Urban2Glacier.

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