Wenn es gegen Winter hin schon früh am Abend dunkel wird und sich die Familie in der Stube um den großen Tisch versammelt, werden gerne alte Geschichten erzählt. Zum Beispiel jene von dem „heiligen Mann“ aus Myra, der ein großer Kinderfreund und ein gutmütiger Mensch gewesen sei. Noch heute soll er in der Zeit vor Weihnachten vom Himmel herabkommen, um Kinder mit einem Sackerl Nüsse und Äpfel sowie berührenden Geschichten zu überraschen.

18 Jahre Nikolaus

Die Tradition der Nikolausbesuche wird im Stubaital seit jeher gepflegt. Auch Stefan Schmid aus Fulpmes macht sich alljährlich mit Mitra und Bischofsstab auf den Weg. Seit 18 Jahren schlüpft er in die Rolle des hl. Nikolaus. Der Glaube, die Tradition und die Kirchengeschichte haben ihn stets interessiert. Deshalb hat er sich mit dem hl. Nikolaus auch genauer beschäftigt und bereitet sich intensiv auf die Zeit um den 5. und 6. Dezember vor. Festlich gekleidet, mit goldbestickten Roben und wallendem, weißem Vollbart, wird er von den Familien gerne empfangen. Was ihn bei einem Besuch erwartet, weiß er im Vorhinein allerdings nie so genau.

Himmlische Verkleidung

Acht prächtige Messgewänder hat Stefan Schmid in seinem Schrank, eines rund hundert Jahre alt und von Goldstickerinnen aufwendig renoviert. Auf ein festliches Auftreten als hl. Nikolaus legt er größten Wert. Das gehe bis ins Detail wie goldene Schuhe oder geschminkte Augenbrauen, erzählt Stefan wohl wissend, dass sich Kinder nicht so leicht hinters Licht führen lassen. Seine schauspielerische Erfahrung von der Dorfbühne ist ihm dabei schon in so mancher Situation zugutegekommen. „Wie könne er denn mit dem Schlitten vom Himmel kommen, da ja kein Schnee da sei – ist so eine knifflige Frage, auf die ich dann spontan eine Antwort parat aben muss“, erinnert sich Stefan schmunzelnd. Für ihn sei das Nikolausgehen aber kein Schauspiel, vielmehr stecke etwas Himmlisches dahinter, ist er überzeugt. er Nikolaus komme eben nicht nur zum Geschenkeausteilen. „Ich möchte den Kindern auch etwas mitgeben, einfache Dinge wie: Ein Bitte öffnet Türen und ein Danke bringt euch weiter“, sieht Stefan einen tieferen Sinn in dieser Tradition. Gemeinsam mit seinen fünf Nikolaus-Kollegen besucht er in Fulpmes zahlreiche Familien zu Hause sowie die Volksschule und das Seniorenheim.

Einladungen sind Ehrensache

Dass er im Dorf gerne als Nikolaus gesehen und eingeladen wird, sei für ihn eine Ehre: „In diesen Tagen bin ich nicht Stefan Schmid, ich bin der Nikolaus.“ Und was macht der Nikolaus jetzt wirklich, wenn wenig Schnee da ist? „Dann lande ich mit meinem Schlitten eben in der Schlick“, sitzt dem Fulpmer Nikolaus dann doch auch ein wenig der Schalk im Nacken.

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