Friedl Stern ist ein echtes Neustifter Urgestein. Es gibt wohl kaum einen Neustifter, der ihn nicht kennt, und das kommt nicht von ungefähr. Man könnte fast sagen, dass Friedl den Ort entscheidend mitgeprägt hat.
Aber fangen wir von vorne an: Friedl wuchs in armen Verhältnissen auf, von Geld und Wohlstand war im Neustift der 30er Jahre noch nicht viel zu sehen. Schon als Kind war Friedl eng mit den Bergen verbunden, dort oben in der Höhe fühlte er sich wohl. Nicht zuletzt durch die Arbeit auf der Alm hat er viel und gerne Zeit in den Bergen verbracht. Diese Arbeit, die er damals dort oben verrichtete, sieht man auch heute noch. Die „Schlickeralm“ steht wie ein Fels in der Brandung inmitten des Skigebietes Schlick 2000. Sie wird immer noch von Friedls Familie, zusammen mit zwei weiteren Almen, bewirtschaftet.
Im Winter gibt hier ein Skifahrer dem anderen die Klinke in die Hand. Das war nicht immer so, denn in Friedls jungen Jahren verirrte sich kaum einmal ein Tourist in das malerische Stubaital. Soldaten waren es, die die Berge der Region zum Training für Gebirgskriegsführung nutzten. „Sie hatten schon erste, einfache Ski und wurden deshalb sehr bewundert“, wie Friedl erzählt. Er selbst hat sich bald darauf selbst sein erstes Paar gekauft. „Um ein halbes Vermögen“, erzählt er lächelnd.
Mit den Anfängen des Wanderns und dem immer populärer werdenden Skisport begann der Siegeszug des Tourismus im Stubaital, der ab den 60er Jahren nicht mehr aufzuhalten war. Bis dahin war Friedl einer der wenigen, den das Skifahren schon in seinen Bann gezogen hatte. Nach der Eröffnung des ersten Lifts im Jahr 1965 kamen jedes Jahr mehr Menschen, die sich im Skifahren versuchen wollten.
Friedl beobachtete diese Entwicklung schon damals sehr kritisch. Bis heute engagiert er sich für den Naturschutz und die Erhaltung der alpinen Bergwelt. Für ihn nimmt das Bewusstsein der Menschen für die Umwelt immer mehr ab. Man sieht die Berglandschaft mehr als Mittel zum Zweck als sie in ihrer ursprünglichen Schönheit zu betrachten und zu nutzen. Selbstverständlich war klar, dass man immer mit dem Standard gehen müsse und das Angebot stetig verbessert werden muss.
So bewirtschaftet heute einer von Friedls Söhnen das Hotel Angelika mitten in Neustift. Die ersten Touristen haben damals noch in den Almen geschlafen, von Komfort konnte keine Rede sein. All das hat sich bis heute grundlegend geändert. Lifte, Wellnessbereiche, WLAN, ohne diese Dinge würde heute kein Mensch auf Urlaub kommen.
Friedl jedoch ist stets am Boden geblieben. Sein ganzes Leben schon ist er ein bescheidener Mensch. Ob durch seine langjährige Tätigkeit als Mesner in Neustift oder seine Bekanntheit im Dorf, Friedl ist immer gern gesehen. Ihm selbst sind immer noch die gleichen Dinge wie schon in seiner Kindheit wichtig: Seine Familie und seine Berge.

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