Freitag, 7 Uhr morgens: Der Wecker klingelt, was nicht ungewöhnlich ist. Nach der alltäglichen Anfangsmüdigkeit wird mir klar, dass heute kein normaler Bürotag ist. Einmal aufgestanden lachen mir beim ersten Blick aus dem Fenster schon Zuckerhütl, Wilder Pfaff und Wilder Freiger entgegen. Die höchsten Stubaier Dreitausender stehen schon in der Sonne und da wird klar: Da muss ich rauf.

Am Vortag habe ich schon den Wetterbericht studiert. Es sind strahlender Sonnenschein und um die 9° Plus auf 2.900m prognostiziert. Die Skikleidung ist schnell angezogen und auch die Ausrüstung ist schon im Auto verstaut, sodass ich pünktlich um 8 Uhr die erste Gondel der Gamsgartenbahn erreiche. Die Eisgratbahn wurde schon abgetragen und macht einer in Bau befindlichen neuen modernen 3S Bahn Platz, daher nehme ich die Gamsgartenbahn. Schon ab der Mittelstation versprechen die perfekt präparierten Pisten einen Traumtag. Angekommen an der Bergstation Gamsgarten tritt einer dieser Momente ein, die man als Skifahrer leider nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Leere Pisten, die von den ersten Sonnenstrahlen erhellt werden und ein Bergpanorama, das seinesgleichen sucht. Da gibt’s nur eins: Rein in die Skibindung und so viele Abfahrten wie möglich genießen. Es vergeht schon einige Zeit, bis man das gesamte Stubaier Gletscherskigebiet einmal abgefahren ist. Mittlerweile ist es 10 Uhr und zu meinem Erstaunen ist immer noch recht wenig los auf den Pisten, was für ein Glück! Nach einer kurzen Pause zum Fotos machen und kurzem Durchatmen geht es auch direkt weiter. Speziell die langen und breiten Pisten, auf denen man sich zu dieser Zeit voll entfalten kann, sind nur zu empfehlen. Der „Sonnenhang“ am Gaiskarferner oder die „Pfaffenschneid“ am Fernauferner bieten sich für schnelle, sportliche Abfahrten an.

Dass man am Ende der Saison auch nicht mehr ganz bei Kräften ist, merke ich spätestens gegen die Mittagszeit, als die Oberschenkel schon zu brennen beginnen. Scheinbar muss man im Sommer das Mountainbike doch etwas öfter aus der Garage holen um die Kondition für den Winter rechtzeitig zu stärken.

Eine andere Art der Stärkung gehört ebenso zu jedem Sonnenskilauftag – das fast schon obligatorische Weizenbier zur Mittagszeit bei Hansjörg auf der Dresdnerhütte. Auch er scheint schon im Sommermodus zu sein – in kurzer Hose begrüßt er mich und sogleich beginnt auch ein angeregtes Gespräch über die vergangene Wintersaison. Nach einem köstlichen Mittagessen (die Dresdnerhütte ist übrigens bekannt für kulinarische Hochgenüsse aus der Küche) wird auch gleich einer der Liegestühle in Beschlag genommen. Mit Blick auf die Gletscherwelt Hochstubai und der Sonne im Gesicht beschließe ich noch eine letzte Abfahrt zu machen, bevor auch schon wieder die Talfahrt ansteht. Mit müden Oberschenkeln und einem unglaublichen Gefühl der Zufriedenheit beschließe ich meinen Tag am Stubaier Gletscher.

Alles in allem kann man den Sonnenskilauf im April als wahrscheinlich schönste Zeit des Jahres zum Skifahren einstufen. Viele Einheimische und auch noch einige Gäste nutzen die Frühlingstage im Gletscherschnee, wo andere schon lange in den Süden fahren. Der  Tenor ist aber bei allen derselbe: das Skifahren in der Sonne und der Gletscherschnee sind auf jeden Fall einen Ausflug ins Stubaital wert.

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