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Nachdem wir die letzten Monate brav zu Hause in den Niederlanden geblieben sind, waren mein Partner Richard und ich umso dankbarer, dass wir wieder in unsere geliebten Berge fahren durften. Sobald die Erlaubnis da war und die Grenzen wieder ohne große Hindernisse überquert werden durften, war für uns klar: Wir fahren sofort ins Stubaital in die Berge. Zudem wollten wir unbedingt auch die neue Zugverbindung der ÖBB von Amsterdam nach Innsbruck mal ausprobieren. Mit dem Nightjet ging es also in die Berge.

Erkundung des Elfers: Hoch mit der Bahn und runter durch die Luft

Es war Mitte Juni, die Temperaturen waren auf sommerliche Werte angestiegen und die Sonne stand hoch am Himmel. Auf den Berggipfeln lag noch Schnee, was das ganze Stubaital noch schöner machte. Diesmal blieben wir in Neustift und wollten zum Start des Urlaubs eine einfache Wanderung auf den Hausberg des Ortes, den Elfer, machen. Also fuhren wir mit den Gondeln der Elferbahn hinauf. Zurück ins Tal sollte es am Ende des Nachmittags allerdings auf andere, spektakuläre Weise gehen.

Ein Hoch auf die STUBAI SUPER CARD

Gewohnt haben wir in einem Hotel, in dem die STUBAI SUPER CARD mit angeboten wurde. Das ist sehr praktisch, wenn man – wie wir – mit dem Zug anreist und für die Dauer des Aufenthaltes auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Mit dieser Karte konnten wir aber nicht nur die Busse im Tal kostenlos nutzen, sondern auch die Bergbahnen und verschiedene Aktivitäten, wie z.B. einen Besuch im Schwimmbad Stubay genießen. Außerdem sehr praktisch für uns, weil wir morgens mit dem Zug angereist sind, unser Tag dadurch etwas kürzer war als sonst und wir ja noch unbedingt auf den Berg gehen wollten! Mit der STUBAI SUPER CARD im Gepäck, zu Fuß zur Elferbahn, eingestiegen und in Nullkommanichts waren wir oben.

Lust auf Fliegen

Oben angekommen, haben wir erst einmal die tolle Aussicht auf das Tal genossen und die klare Bergluft tief eingesogen. So verharrten wir eine Weile und konnten dabei die vielen Paragleiter, die direkt an der Bergstation starteten und leise durch die Luft schwebten, beobachten. Das gefiel uns so sehr, dass wir kurzerhand entschlossen das auch zu machen! Wir gingen zur Nähe des Startplatzes zu einem Zelt, in dem man sich über die Möglichkeiten eines sogenannten Tandemfluges informieren kann und buchten sogleich einen Flug für den Nachmittag. Die Entscheidung fiel uns noch leichter, als wir mit dem erfahrenen Gleitschirmpiloten Reinhard gesprochen haben. Wir hatten unseren Entschluss gefasst: Nach der ersten Wanderung zum Eingewöhnen fahren wir nicht mit der Gondel, sondern wir fliegen nach unten!

Viele Wandermöglichkeiten am Elfer

Zunächst wollten wir aber noch die Bergwelt des Elfers erkunden. Die Übersichtstafel an der Bergstation weist viele Wandermöglichkeiten aus. Die Schwierigkeitsgrade der Wanderwege sind dabei so festgelegt worden wie die Pisten im Winter. Blau für einfach, rot für mittelschwer und schwarz für schwer. Wir entschieden und für eine rote Wanderroute, was bedeutete, dass sie einen mittleren Schwierigkeitsgrad besitzt. Ab der Bergstation gingen wir zunächst in Richtung Sonnenuhr, ein imposantes und modernes Gebilde, von dem man an sonnigen Tagen nicht nur einen schönen Ausblick hat, sondern auch die Uhrzeit ablesen kann. Als wir die ablesen wollten, waren wir aber einen Moment lang etwas verwirrt. Bis sich herausstellte, dass diese „Uhr“ nur die Winterzeit anzeigt. Sie kann ja nicht vor- und zurückgestellt werden.

Blick auf das Tal

Weiter bergauf wanderten wir auf Weg Nummer 1, dem Geh-Zeiten-Weg. Unterwegs kamen wir immer wieder an verschiedenen Stationen vorbei, die uns etwas über verschiedene Zeitspannen beibrachten. Eine schöne Möglichkeit, besonders für Kinder, die Wanderung lehrreich und abwechslungsreich zu gestalten. Wir stiegen stetig auf und der Blick auf die robusten Felswände und Spitzen auf der anderen Seite war beeindruckend. In den Flanken der Gipfel lag immer noch eine Menge Schnee, was es umso besonderer machte hier zu sein. Nach gut einer Stunde legten wir an einer wunderschön gelegenen Bank schließlich eine Pause ein. Sie ermöglichte es uns diese wunderbare Umgebung, die wir in den letzten Monaten so sehr vermisst haben, zu genießen. Nach dieser Rast bemerkten wir, dass wir von der Anreise und der Bewegung an der frischen Höhenluft doch schon etwas müde waren und so beschlossen wir für heute Schluss zu machen und wieder zur Bergstation hinunter zu gehen.

Wollen Sie mich verkuppeln?

Außerdem knurrten unsere Mägen schon recht laut und riefen nach leckerem Tiroler Mittagessen. Im Panoramarestaurant Elfer wurde uns genau das geboten. Nachdem wir die köstlichen Klassiker genossen haben – ich habe mich für für Schnitzel mit Pommes und Richard für einen Teller Tiroler Gröstl entschieden – war es auch schon Zeit, sich an den Gleitschirmflieger zu hängen und ins Tal zu fliegen. Also auf zur Anmeldestation, wo Reinhard mit einem weiteren Piloten schon auf uns gewartet haben. Dort angekommen wurde ich dann auch gleich in mein Gurtzeug gehievt, bekam einen Helm auf den Kopf gesetzt und dann gings auch schon direkt zum Startbereich. Reinhard hakte mich in sein Gurtzeug ein und ich fragte ihn, nur um ganz sicher zu gehen, dass ich auch wirklich verkuppelt bin, man kann ja nicht anders… Er lächelte und beruhigte mich: „Es wird alles gut!“. Es war dann beim Start schon ziemlich windig, also hat mir Reinhard gesagt, ich solle mich einfach nach vorne hängen und mit ihm gehen. Gesagt, getan und nach nur drei Schritten hingen wir schon in der Luft! Ich schob mich noch etwas besser in meinen Gurt, damit ich bequem sitzen konnte und ab dem Moment konnte ich den Flug entspannt genießen.

Achterbahnfahrt in der Luft

Das Gefühl beim Fliegen war großartig! Der Wind pfiff leise in meinen Ohren und ich genoss die Aussicht. Die Manöver waren ruhig und kontrolliert und ich hatte vollstes Vertrauen in die fliegerischen Fähigkeiten meines Piloten Reinhard. Doch dann dachte er wahrscheinlich, dass es Zeit für etwas Action war und machte eine Steilspirale nach unten mit mir. Durch die Luft wirbelnd ging es plötzlich viel schneller bergab als noch Sekunden zuvor. Mein Magen reagierte sofort und war weniger begeistert, aber das leckere Mittagessen blieb da wo es bleiben sollte. Nach dieser kurzen Achterbahnfahrt in der Luft landeten wir nach etwa 20 Minuten ruhig und sanft auf einer großen Wiese im Tal. Unser Aufenthalt im Stubaital hätte nicht besser beginnen können! Was für ein wunderbarer Tag! Zum Glück hatten wir noch ein paar mehr vor uns!

 

Fotos: www.indebergen.nl