Das Stubaital hat für Bergsportler einen riesigen Vorteil: zum einen besitzt es eine föhnbegünstigte Schneisse, wo es früh apert und zum anderen eine vergletscherte Hauptkammregion. Im Frühling bedeutet das, dass man im vorderen Stubaital schon Trailrunning machen kann und im hinteren Teil des Tales noch Skitouren inklusive Liftunterstützung vornehmen kann. Ich persönlich bin ein Fan von Downhill-Fun und nicht von Uphill-Leiden. Das heißt ich bervorzuge fette Freeride-Action etwas abseits der Skigebietsgrenzen mit kurzen Aufstiegen und gehe keine Skitouren auf Pisten. Auch wenn man dieses Jahr zwar bis Mitte März auf die passenden Bedingungen im Hochgebirge warten musste, so geht jetzt relativ viel. Außerdem kann man auch schon wunderbare Trails laufen. Das habe ich letztes Wochenende dann auch gemacht.

Freeriden im Firnschnee

Endlich war es so weit. Beste Bedingungen mit einer stabilen Schneedecke im alpinen Gelände. Am Sonntag bin ich mit ein paar Kumpels taleinwärts auf den Stubaier Gletscher gefahren. Am Gaiskarferner haben wir das Skigebiet verlassen und sind über den Pfaffenferner hinauf aufs Pfaffenjoch auf 3.208 Meter gestiegen. Da wir aber alle Skifahren wollten und nicht klettern, haben wir unsere Skischuhe festgezogen, die Ski angeschnallt und sind in hohem Tempo – fast wie bei einem Riesentorlauf – 800 Höhenmeter, vorbei an blauem Gletschereis, über den Sulzenauferner abgefahren. Zwischen den Schwüngen hat man einen gewaltigen Blick ins Tal, man sieht weit ins Unterland bis nach Hall. Erst vor sechs Jahren bin ich hier das erste Mal heruntergefahren und der Rückgang des Gletschers hat das Gelände inzwischen verändert. Da es die Gletscherzungen nun leider nicht mehr gibt, kann man am Ende der Abfahrt eine etwas steilere Spur wählen, die schließlich zum Gletschersee führt. Nach einer halbstündigen Pause an diesem einsamen, hochalpinen „Strand“ haben wir wieder aufgefellt und sind aufs Peiljoch hochgestiegen. Im Vergleich zum griffigen und kalten Schnee am Ferner, war der Firn hier schon angenehm weich. Die letzten 400 Höhenmeter bis zur Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn haben wir also bei herrlichem Firn mit wunderschönen Ausblicken auf die Ruderhofspitze und den Schrankogel genießen können. Wenn man die kraftvolle Tiroler Natur mit einer geilen Portion Freeriden verbinden kann ist es immer ein lässiger Tag!

Trailrunning mit Gämsen

Am Montagnachmittag habe ich mich dann mit dem Tiroler Trailläufer Michael Geisler getroffen. Michael wollte schon lange ein paar Stubaier Trails erkunden und ich konnte einen lässigen Saionstart hinlegen. Die Sonne steht um diese Jahreszeit bereits so hoch, dass man die Nordflanken auch schon genießen kann und die Trails im vorderen Stubaital bis auf 2.000 Meter Seehöhe schneefrei sind. Wir haben unser Auto im Neustifter Ortsteil Kampl stehen gelassen und sind entlang des Seibachs und unterhalb der Kamplhöhle hinauf bis zum Gasthof Wildeben auf 1.781 Seehöhe gelaufen. Bei der Tour mit insgesamt 800 Höhenmetern läuft man am Anfang auf einem echt steilen Weg, der aber einen weichen Nadelboden besitzt. Die Sonnenstrahlen, die an diesem Tag durch den dunklen Fichtenwald drangen haben eine herrliche Kulisse gebildet. Weiter oben schlängelt sich der Trail dann entlang einer steinigen Grube unterhalb der Kesselspitze. Der Trail ist hier schmal aber flowig und die Abendsonne hat die schattige Grube in oranges Licht getaucht. Noch dazu haben wir dank eines perfekten Timings ein zauberhaftes Naturspektakel hautnah erleben dürfen. Eine einsame Gams hat uns neugierig zugeschaut und ist sogar stellenweise ein wenig mit uns mitgelaufen. Ab Wildeben sind wir dann den steilen, verspielten Steig wieder direkt hinunter zum Parkplatz gelaufen. Da wir beide schnelle, technische Downhills mögen, haben uns Sprünge und richtig enge Kehren ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit brennenden Oberschenkeln aber vollauf begeistert sind wir schließlich bei Sonnenuntergang am Auto wieder angekommen. Diese eher unbekannte Runde ist zwar etwas anstrengender als der Besinnungsweg im Pinnistal aber vor allem am Abend und wenn der Gasthof Wildeben geöffnet hat sehr empfehlenswert.

Ist der Frühling wirklich die beste Jahreszeit für Trailliebhaber? Ja absolut! Eine größere Vielfalt an Aktivitäten kann man sich nur wünschen. Die Tage sind schon recht lang und die Kombination von saftig grünen Wiesen im Tal mit weißen Berggipfeln ist einfach fabelhaft. On Top herrscht auch noch das wunderbar abwechslungsreiche Aprilwetter, das die Panoramen durch ein Wechselspiel von Wolken und Sonne noch einzigartiger macht.

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