„Ein Schützenfest, ja ein wirkliches Fest überhaupt ist in den Tälern Tirols ohne Tracht nicht denkbar. Wo sich das geschlossene Bild der Tracht bei Festen nicht mehr ergibt, fehlt für alle Teilnehmer ein Entscheidendes.“ Gertrud Pensendorfer (Leiterin des Tiroler Volkskunstmuseums) – Tiroler Volkstracht – 1939

So manche Tradition ist heute im Verschwinden, einiges aber gewinnt wieder neuen Glanz, so etwa die Tracht. Sie ist meist im ganzen Tal gleich und hebt sich von den übrigen Tälern ab.

Sie wird von Musikkapellen, Schützen, deren Marketenderinnen und immer mehr von den Stubaiern selbst, bei festlichen Anlässen getragen.

Männer tragen den Stubaier“Jangger“, dieser ist aus  braunem Loden mit schmalem grünen Stehkragen, grünen Aufschlägen und silbrigen Kugelknöpfen, darunter ein weißes Hemd mit schwarzem Halstuch, das von einem „Krönl“, einem Ring aus geflochtenen Wurzelfasern, zusammengehalten wird. Der schwarze Hut ist heute hoch, breitkrempig und geschmückt mit einem grünen Band, weißgrüner Kokarde (Abzeichen) und einer Spielhahnfeder. Dazu eine schwarze Kniebundhose aus Leder, gehalten von grünen Hosenträgern, in dessen Quersteg ein Tiroler Adler und die Initialen des Besitzers eingestickt sind. Weiße Kniestrümpfe und hohe Schnürschuhe machen die Männertracht komplett. Heute wird zum Stubaier Jangger oft auch eine schwarze Hose getragen.

Die einheitliche Stubaier Männertracht beruht auf der Schützentradition des Tales, an welcher der Freiheitsheld Michael Pfurtscheller nachhaltig beteiligt war. Aus seinen Aufzeichnungen lässt sich die allmähliche Vereinheitlichung der Tracht bald nach den Freiheitskriegen ersehen – die heutigen Traditionsträger sind die Schützenvereine.

Die Frauentracht ist heller und bunter…

Oft fertigt Frau sich ihr Festkleid selber (spezielle Nähkurse werden angeboten) oder lässt es sich maßschneidern.

Eine weiße Leinenbluse mit an den Schultern gepufften, langen Ärmeln und handgeklöppelter Spitze an den Ärmelenden und am Halsausschnitt, darüber ein enges Mieder aus  schwarzem Brokat oder Wollstoff, der mit kleinen Blümchen bestickt und mit grünen Trachtenbändern eingefasst ist.
Den Rücken gliedern drei Doppelreihen von grünen Samtbändern. Das Mieder wird von einer roten Seidenlitze zusammengehalten, unter der ein Brustlatz liegt. Dieser ist mit einem breiten roten Seidenband  eingefasst und mit Blumenornamenten geschmückt (schwarzer Grund – werktags, weißer Grund – Festtags). Über der Bluse und dem Latz liegt ein schwarzer, am Hals geraffter und geteilter Flor.
Der weite, gezogene oder plissierte und ans Mieder genähte Rock aus schwarzem Wollstoff und weinrotem Saum sollte bis eine Handbreit über den Fußknöchel reichen. Die Festtagsschürze ist aus goldfarbener Seide, die Werktagsschürze aus blauer Baumwolle mit weißen Blümchen, dazu noch weiße Kniestrümpfe und schwarze Halbschuhe. Heute fehlt meist die Kopfbedeckung (eine Ausnahme sind die Vereine), früher gab es Fatzelkapppen und später Trachtenhütchen.

Die Güte und Sorgfalt der handwerklichen Ausführung ist wohl jenes Besondere, das die Trachten unserer Heimat zu einer weit über die Grenzen reichenden Beliebtheit gebracht hat.

Fotos: ©Tyroler-Trachtendesign, ©TVB Stubai Tirol, ©Schützenkompanie Stubai
Textquellen: Stubai/Karlheinz Töchterle, Tiroler Volkstracht/Gertrud Pensendorfer

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