Der Krampus ist nun nicht mehr nur der Begleiter des Nikolaus, der die braven Kinder am 5. Dezember beschenkt, sondern er hat sich gemeinsam mit seinen Artgenossen zu echten Entertainern entwickelt. Doch beginnen wir von Anfang an.

Der Krampuslauf hat im Stubaital schon seit Generationen Tradition. Auch ich erinnere ich mich noch an frühe Jahre der Kindheit, in denen man sich einerseits auf den Besuch des lieben Nikolaus freute, der mich mit Nüssen oder Mandarinen beschenkte, andererseits fürchtete ich mich auch vor dem bösen Krampus. Ich konnte damals nie richtig einschätzen, wie sich die Einschätzung des Nikolaus verteilte: War ich dieses Jahr nun ein gutes oder ein nicht so braves Kind gewesen? Denn wenn man schon im Vorhinein wusste dass Zweiteres der Fall war, wäre man niemals zum Besuch des heiligen Nikolaus gekommen. Da wurde man ja vom Krampus erwartet. Nun ja, einmal musste es ja so kommen, dass mich der Krampus in die Finger bekommen hat. Zu meinem Erstaunen war dieses große und doch recht düster erscheinende Wesen gar nicht so böse wie mir immer erzählt wurde. Gut, ich war anschließend doch recht schwarz im Gesicht, aber dass der Krampus nicht der sauberste Zeitgenosse war hat man ja damals als kleines Kind schon gewusst. Mir wurde in diesem Jahr, ich erinnere mich noch dass ich 6 Jahre alt war, die fast schon in Stein gemeißelte Angst vor dem Krampus genommen wurde. In den kommenden Jahren fand ich den Krampus ohnehin interessanter als den Nikolaus.

Wenn wir nun in unserer Geschichte knappe 18 Jahre weiterspringen, hat sich einiges an der Tradition der Krampusse verändert. Ich treffe mich mit meinen Freunden auf dem großen Dorfplatz von Fulpmes. Ich bin überrascht, welche Menschenmengen sich hinter den Absperrungen drängen. Ein angenehmer Duft von Punsch und Keksen liegt in der Luft – kein Wunder bei so vielen Ständen, die sich auf dem Dorfplatz aneinanderreihen. Es ist schon dunkel geworden, und auf einmal wird auch die Straßenbeleuchtung ausgeschalten. Ein dumpfer Ton weist auf den Beginn der Show hin. Neben der heimischen Gruppe, den Fulpmer Tuifln, haben sich auch einige andere Gruppen aus verschiedenen Tiroler Orten angekündigt. Die Vorhut bilden die Jungtuifl, die als erstes den Gang zwischen den Menschen betreten. Die große Anzahl an Jungtuifln beweist, dass sich die Krampustradition auch in unserer modernen Zeit noch großer Beliebtheit erfreut. Auch die „Kleinen“ sind mit ihren Masken, leuchtenden Augen und ihren Hörnern schon eine furchteinflößende Gestalt. Nach diesem Durchgang ertönt aus dem Lautsprecher eine bekannte Musik, die wie jedes Jahr unverkennbar mit dem Tuiflumzug verbunden ist – „Hells Bells“ von AC/DC. Eine Gastgruppe nach der anderen zieht nun durch den Gang und führt ihre Show auf. Jedes Jahr lassen sich die Gruppen wieder etwas neues einfallen. Mit Traktoren und Anhängern, die in mühsamer Kleinarbeit speziell für diesen Auftritt vorbereitet wurden, begeistern die Tuifl die applaudierenden Gäste. Aber der absolute Höhepunkt kommt noch – die heimischen Fulpmer Tuifl. Viele Gäste suchen nun Schutz in den hinteren Reihen, denn die Absperrzäune werden nun entfernt. Einige Mutige stellen sich waghalsig vor alle anderen. Begleitet von lauter Musik und einer spannenden Feuershow ziehen die Fulpmer Tuifl auf den Dorfplatz ein. Nachdem sie ihre Show aufgeführt haben wenden sich die Tuifl den Zuschauern zu. Einigen bekannten Gesichter von Einheimischen wird von den Tuifln natürlich besonderes Augenmerk geschenkt. Die traditionelle Runde findet ihren Abschluss darin, dass die bis dahin so furchteinflößenden Tuifl ihre Masken abnehmen und darunter viele bekannte Gesichter zum Vorschein kommen. Beim gemütlichen Beisammensein im Anschluss werden von Tuifl und Zuschauern gemeinsam das ein oder andere Glas Punsch oder Glühwein getrunken und über diese großartige Tradition gesprochen.

Untenstehend darf ich euch mit zwei Videos einen kleinen Einblick in das Krampus-Spektakel von Mieders und Fulpmes geben.

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