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Ins Stubaital kam Filippo Manci eher zufällig. Hier spielte er sein erstes Konzert in Österreich und ist inzwischen fixer Bestandteil des Musiksommers Neustift. Beim Wandern in den Stubaier Bergen findet der Organist und Dirigent neue Wege in der Musik. Der gefragte Künstler hat seinen eigenen Zugang zur Musik, geprägt unter anderem von seinem ehemaligen Freund Ennio Morricone.

Seit zehn Jahren macht Filippo Manci mit seiner Familie regelmäßig Urlaub in Neustift. „Damals sind wir bei der Fahrt durch das Wipptal einfach ins Stubaital abgebogen“, erzählt der italienische Musiker. Das Gletschertal hat ihn von seinem ersten Besuch an begeistert.

Vom Berg an die Orgel

Musik und Wandern haben für Filippo Manci eines gemeinsam – den Rhythmus: „Wenn ich in den Stubaier Bergen unterwegs bin, ist die Musik mein ständiger Begleiter. Mehr noch, ich wandere im Rhythmus der Musik.“ Dabei kann das Temperament mit dem Künstler schon einmal „durchgehen“. So geschah es nicht nur einmal, dass der Organist und Dirigent mit Wanderschuhen auf die Empore der Neustifter Pfarrkirche stieg, um ein Konzert zu geben. Beim Musiksommer Neustift begeistert der Künstler regelmäßig sein Publikum mit außergewöhnlichen Darbietungen.

Auch in der Musik beschreitet er gerne neue Wege. Sein Studium zum Organisten, Cembalisten und Kapellmeister hat Filippo Manci am Konservatorium „A. Casella“ in L‘Aquila mit Auszeichnung absolviert und ist derzeit als Organist in der Basilica S. Giovanni in Laterano in Rom tätig. Dort widmet er sich aber nicht nur sakralen Werken. Während seiner langjährigen internationalen Konzertkarriere hat der Solist und Dirigent mit Musikern wie Claudio Abbado und Peter Maag zusammengearbeitet. Mit Ennio Morricone verband Filippo Manci eine langjährige freundschaftliche Beziehung. „Ich habe in der Nähe seines Hauses gearbeitet. Ennio Morricone hat mich dazu ermutigt, seine Filmmusik für die Orgel zu adaptieren“, erinnert sich der Künstler an den berühmten Komponisten, der im Sommer 2020 verstorben ist.

Die Königin der Instrumente darf alles

Die Orgelmusik in Italien sei sehr traditionell, deshalb freut sich Filippo Manci, seine Konzerte beim Musiksommer Neustift unterhaltsam und abwechslungsreicher gestalten zu können. Dabei findet er seinen eigenen Zugang zu den Stücken und bewegt sich souverän zwischen den musikalischen Kategorien. Gerne nützt er diese Gelegenheiten und stellt klassischen Kompositionen die Filmmusik etwa von Ennio Morricone oder John Williams gegenüber. Dann klingen Orgelinterpretationen von „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Für eine Handvoll Dollar“ oder auch „Star Wars“ und „Harry Potter“ durch das Gewölbe der Neustifter Pfarrkirche. Ob sich dies auch ziemt? „Die Orgel ist die Königin der Instrumente und die Königin darf alles“, stellt der Maestro mit einem breiten Lächeln klar. Schließlich sei Filmmusik im Grunde nichts anderes als Musik fürs Theater. „Egal ob an der Orgel und als Dirigent, bei einem Konzert habe ich das Bedürfnis, mit den Menschen zu kommunizieren und sie zu überraschen“, so der Musiker und tauscht dabei auch schon mal den Taktstock gegen ein Lichtschwert.

Tiroler Volksmusik steckt voll südlichem Temperament

Von der Tiroler Volksmusik ist der Maestro sehr angetan und sieht Parallelen zur Neapolitanischen Volksmusik: „Beide sind fröhlich und rhythmisch und ähneln sich sehr.“ 2020 stand beim Neustifter Musiksommer neben klassischen Kompositionen und Filmmusik auch ein Medley neapolitanischer Volkslieder auf dem Konzertprogramm. Doch konnte Filippo Mancis Chor, das Melos Ensemble aus Rom, auf Grund der Umstände nicht anreisen. Also wurde im Frühjahr kurzerhand ein Tiroler Kammermusik-Ensemble zusammengestellt, das sich unter der Führung von Stephan Haas dieser Aufgabe stellte und akribisch auf die finale Arbeit mit dem Dirigenten vorbereitet hat. „Ich bin von der Professionalität und der künstlerischen Qualität der Tiroler MusikerInnen begeistert. Das Ensemble hat das süditalienische Lebensgefühl mit viel Temperament und Einfühlungsvermögen sehr authentisch wiedergegeben“, schwärmt der Dirigent.

Neben der Tiroler Musik hat es dem Künstler vor allem die heimische Küche angetan. Gröstl, Schnitzel, Forelle, Speck oder Kaiserschmarren – die Liste seiner „Lieblingsspeisen“ ließe sich noch lange fortsetzen. Einiges, wie Bauernbrot, Apfelstrudel oder Apfelsaft, nimmt er gerne mit nach Hause und lässt sich in seiner südlichen Heimat vom Geschmack der Stubaier Berge inspirieren.