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Einen der sicherlich sportlichsten Bildhauer des Alpenraums findet man im Neustifter Ortsteil Milders im Stubaital. Dort ist der ehemalige Rennrollstuhlfahrer Gottfried Ferchl beheimatet und hat sich eine Werkstatt eingerichtet. Auf individuellen Wunsch seiner Kunden fertigt er einzigartige Kunstwerke aus Holz oder Stein an. Ich habe ihn in der Vorweihnachtszeit besuchen und ihm über die Schulter schauen dürfen.

Schon bei der Ankunft an Gottfrieds gemütlichen, im Tiroler-Stil gehaltenen Haus ist unschwer zu erkennen, dass hier ein Bildhauer zu Hause ist. Okay, ein großes an der Hausfassade befestigtes Holzschild, auf dem „Bildhauer“ eingeschnitzt worden ist, weist auch unmissverständlich darauf hin. Aber erst ein mannshoher Gartenzwerg aus Holz mit einer roten, tief ins Gesicht gezogenen Mütze und einer großen Pfeife im Mund auf der eine Laterne steht, lässt erahnen, dass hier ein zudem sehr talentierter und humorvoller Vertreter seiner Zunft am Werkeln ist.

Nach einem herzlichen Empfang lädt mich Friedl sogleich auch zu einer heißen Tasse Kaffee in seiner gemütlichen Küche ein. Unmittelbar beginnen wir locker zu plaudern und dabei kommen wir vorerst einmal auf seine ursprüngliche Leidenschaft – der Leichtathletik –, die erst später dann von seinem Beruf abgelöst worden ist, zu sprechen:

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Gottfried Ferchl bei einem Rennrollstuhl-Rennen.

Gottfried war in seiner aktiven Zeit als Leistungssportler der erfolgreichste Rennrollstuhlfahrer Österreichs und sein österreichischer Rekord über die Marathon-Distanz (1:29,04 Stden.) konnte bis heute noch nicht unterboten werden. Darüber hinaus wird er noch immer jedes Jahr nach Seoul in Südkorea zu Rennrollstuhlveranstaltungen eingeladen. „Ich war selber überrascht wie bekannt ich dort bin. Sie haben sogar einmal ein Bild von mir auf einem Plakat zur Ankündigung eines Wettkampfs verwendet“, schmunzelt der sportliche Künstler.

Nach seiner erfolgreichen Zeit als Wettkämpfer, in der er zwei Mal bei paralympischen Spielen – 2000 in Sydney und 2004 in Athen – für Österreich mit dabei war, hat er am Zenit seiner sportlichen Laufbahn als er 2005 Europameister über 200 Meter geworden ist, diese Karriere auslaufen lassen. „Mein selbstgestecktes Ziel habe ich damit erreicht. Ich trainiere aber nach wie vor gerne und betreibe regelmäßig Sport um mich körperlich fit zu halten. Und jetzt als Selbstständiger kann ich das super kombinieren, den halben Tag sportle ich und den halben Tag gehe ich der Bildhauerei nach. Wettkampftechnisch könnte ich jedoch nicht mehr mithalten, zumal sich das Material seit damals ja auch extrem weiterentwickelt hat.“

Für seine Berufswahl nach der Zeit als Leistungssportler waren schlussendlich zwei Dinge ausschlaggebend:
Sein Onkel, der auch schon Bildhauer war und dem er als Kind in seiner Werkstatt interessiert zugeschaut sowie dort auch erste Selbstversuche unternommen hat und ein Gutschein seiner Frau für einen einwöchigen Schnitzkurs in der Schnitzschule Elbigenalp. Das hat sein Feuer für die Bildhauerei vollends entfacht und so ist er dort dann auch die folgenden drei Jahre lang geblieben um die Ausbildung zum Bildhauer samt Gesellenprüfung zu absolvieren. Vorher ist sogar noch die Schule für den gelernten Werkzeugmacher rollstuhlgerecht eingerichtet worden.

Seit 2010 fertigt Gottfried jetzt Masken, Skulpturen, Rahmen, Schilder und alles andere was seine Kundschaften wünschen als selbstständiger Bildhauer an. „Ich produziere nicht viel vor. Nur Kleinigkeiten, die ich beim Christkindlmarkt in Milders gut verkaufen kann. Üblich ist jedoch, dass die Leute zu mir kommen und mich bitten Dinge für sie nach ihren Vorstellungen anzufertigen, alles Unikate sozusagen. Eines meiner größten Projekte war ein drei Meter großer Steinbock aus einem Stück Holz, der nach Osttirol gegangen ist. Inklusive Vorarbeiten und Besprechungen sind dafür fast drei Wochen nötig gewesen.“

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Obwohl er auch Stein bearbeitet, ist Holz sein meistverwendeter Rohstoff. „Ich schnitze hauptsächlich mit Zirbe aus dem Stubaital. Es ist ein sehr guter Werkstoff zum Schnitzen, sie riecht gut und sieht schön aus“, erklärt er mir in seinem Atelier, das mit etlichen kleinen Kunstwerken einer Hobelbank und Schnitzeisen von STUBAI bestückt ist.

Im Hausgang fällt mir schließlich noch eine kleine Krippe, die sein Neffe gebaut hat und zu welcher Gottfried die Figuren beigesteuert hat, auf. „Auch das mache ich ab und zu ganz gerne, das Schöne an meinem Beruf ist aber, dass ich nie weiß was ich als nächstes schnitzen darf“, strahlt Gottfried zufrieden bevor ich mich wieder von ihm verabschiede.

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