Als ich das erste Mal vom Stubaier Kaiserschmarrenfest hörte, dachte ich, das ist wirklich ein schönes Format, das der TVB Stubai Tirol ins Leben rufen möchte. Mir gefiel mit dem Kampler See die Location, ich fand den Ansatz toll heimische Genussbetriebe für Schmarrenvariationen zu begeistern und das Fest mit dem Weltrekordversuch im Schmarrenbacken aufzuwerten erschien mir als eine spannende Idee. Soweit so gut. Ich dachte, dass das bestimmt keine große Hexerei sein dürfte, scheint ja alles ganz einfach. Es fand sich ein Termin, Veranstaltungskonzepte wurden ausgearbeitet, ein Team aus Stubaier Köchen zusammengestellt, der Rekord ganz offiziell bei GUINNESS WORLD RECORDS® angemeldet. Alles ganz unproblematisch, alles ganz unkompliziert. Von wegen!

Während man Woche für Woche auf Feedback von GUINNESS WORLD RECORDS® wartete wurde die Zeit immer knapper. Aus Wochen wurden Monate bis endlich das erleichternde „GO“ von GUINNESS WORLD RECORDS® kam. Mit dem „GO“ flatterten aber sogleich zig Formulare, Richtlinien, „Do’s & Dont‘s“ und was weiß ich alles noch herein. Ich habe von den bürokratischen Hürden zwar nur am Rande etwas mitbekommen, aber oftmals habe ich mich gefragt, ob es hier wirklich um einen Kaiserschmarren samt Pfanne, geht oder die Anmeldung eines Patents für ein Space-Shuttle. Für die erzielten 155 Kilogramm Weltrekord-Kaiserschmarren musste außerdem eine entsprechende Pfanne her. Dass man so eine Pfanne mit einem Durchmesser von 3,8 Metern nicht einfach in einem Geschäft kaufen kann, war allen Beteiligten von Anfang klar. Doch ich glaube im ersten Moment konnte man noch nicht erahnen welche Komplexität diese Konstruktion einmal haben wird. Als die Schüler und Lehrer der Höheren Technischen Lehranstalt in Fulpmes ihre Planungen begonnen haben, hat sich einige Monate vor dem ersten Stubaier Kaierschmarrenfest eine ganz besondere Dynamik entwickelt. Ich nenne es den Geist von Guinness. Auf einmal ging es nicht mehr um „rein theoretisch“ und um „möglicherweise“. Es wurde angepackt und immer mehr heimische Experten wurden in das Projekt miteinbezogen. Jetzt ging es eben nicht um die Wurst, sondern um den Schmarren! Es war ganz klar, diesen Rekord möchte man ins Stubaital holen. Mit jedem Schritt, den es vorwärts ging, kamen aber neue Risiken und Schwierigkeiten ans Tageslicht, an die man am Anfang gar nicht denken konnte. Auf einmal wurde von sich aufwölbenden Schweißnähten gesprochen, unregelmäßige Wärmeleitung diskutiert, Wiegemethoden ausgeklügelt und und und… Gott sei Dank fand man mit der Firma Hörtnagl u. Söhne GmbH, der Firma Ager Gas, der Messetechnik u. Kalibrierstelle HOFER e.U. und nicht zuletzt mit den Experten der HTL für alle Probleme eine Lösung.

Das Rezept erschien lange als kleinstes Problem, was es letztendlich auch war. Die verarbeiteten 1.200 Eier, 50 Liter Milch, 36 Kilogramm Mehl, ein Kilo Salz, acht Kilogramm Mehl und 20 Kilogramm Butterschmalz schmeckten einfach vorzüglich. Die Herausforderungen für die fünf Rekordköche lagen ganz wo anders. Wie wird der Schmarren gleichmäßig gar? Sind wir schnell genug mit Wenden und Zerteilen? Mit welchen Kochutensilien arbeiten wir denn überhaupt? Gewappnet mit Kellen, die Schneeschaufeln glichen, lösten Roland Schüller, Andi Stern, David Kostner, Matthias Müller und Walter Göglburger diese Aufgaben im Team mit Bravour, wobei ihnen beinahe der Wind noch einen Strich durch die Rechnung machte.

Die Vorbereitungen schritten voran und man konnte die Euphorie immer mehr spüren. Gerade Menschen, die die Pfanne das erste Mal zu Gesicht bekamen, zeigten sich beeindruckt. Die Medien interessierten sich immer mehr für den Weltrekordversuch und transportierten die Tatsache, dass ein ganzen Tal an einem Strang zieht, weit über das Stubai hinaus. Auch die Gespräche mit GUINNESS WORLD RECORDS® wurden immer konkreter. Ein zertifizierter Wiegemesser von einer offiziellen Kalibrierstelle musste her, es galt Zeugen zu verpflichten und den GUINNESS WORLD RECORDS® Judge aus London einzufliegen. Und eines will gesagt sein, solche Judges nehmen so einen Weltrekordversuch wirklich, wirklich ernst.

1.200 Eier für den weltgrößten Kaiserschmarrendieköche+diepfanneKontrolle durch die Guinnes World Records Richterin

 

Ich persönlich hätte es ja nie für möglich gehalten, dass man auf einmal so mitfiebern kann, doch was ich kurz vor dem Weltrekordversuch erlebt habe, belehrte mich eines Besseren. Es ging wirklich um den Stubaier Schmarren, ein Gedanke, den ein ganzes Tal auf einmal mitgetragen hat. Er war Gesprächsthema Nummer eins, man merkte, dass Neugierde, Vorfreude aber auch Spannung in der Luft lagen. Das war sicherlich deshalb, weil so viele engagierte Helfer aus dem Stubaital an dem Projekt beteiligt waren.

Am Tag des Weltrekordversuches machte ich mich dann gegen 10:00 Uhr auf zum Kampler See. Bedeckt war es und kalt. Ich war nicht die einzige die schon in der Winterdaune unterwegs war. Ich hatte Angst, dass das Wetter nicht hält und es zu regnen beginnt. Nicht nur ich, sondern auch ein paar weitere Schmarrenmitstreiter waren schon nervös. „Wird schon halten, aber der Wind darf nicht stärker werden!“ lies ich mich beruhigen. Und dann war der Geist von Guinness ganz plötzlich wieder da. Pünktlich zu Beginn der Veranstaltung haben sich die Wolken verzogen, die Sonne kam raus, perfektes Wetter für das Stubaier Kaiserschmarrenfest! Mit den Temperaturen stiegen auch die Laune und die Sicherheit, dass alles klappen wird.

Die Pfanne war vor Ort sicher gelagert, die Zutaten standen bereit, die Köche waren motiviert, der Wiegemeister mit Papieren pünktlich vor Ort, das Kaiserschmarren-Areal mit den weißen Zelten der Stubaier Genussbetriebe sowie der Bühne präsentierte sich einladend und die Musiker, Brauchtumsgruppen, die BIG Family Kinderbetreuer und der Moderator zeigten sich in Höchstform. Immer mehr Besucher kamen zum Fest, nur eine Person fehlte noch. Zwischen die fesch in Dirndl und in Lederhosen gekleideten Wirtinnen und Wirten der Genussbetriebe mischten sich die Besucher im Freizeitlook. Eine Person passt so gar nicht in das Bild hinein. Der Judge, oder besser gesagt die adrett im Kostümen gekleidete Jurorin, eine in London lebende Schwedin, traf ein. Sehr sympathisch aber gestreng mit Formularen und Checklisten war auch von Anfang an klar, einen Fehler dürfen sich die Schmarrenköche nicht erlauben.

Es wurde gefachsimpelt, leicht angespannter Smalltalk geführt und streng geprüft, bevor es endlich losging. Wind zog auf und kurz bevor es in die heiße Phase ging, wurde noch ein improvisierter Windschutz installiert. Ehrlich gesagt, bei jeder Böe die kam, wurde mir etwas mulmig und auch die Köche zitterten um die gleichmäßige Gashitze. Dann ging alles ganz schnell, die Pfanne wurde gefettet, die Waage auf null gestellt, der Teig hineingegossen. Anspannung bei den Köchen und bei den Zuschauern. Die kritische Phase wurde eingeläutet, bleibt der Teig kleben oder nicht, findet die Jurorin etwa Mängel bei der Zubereitung, schließlich hatte sie sich im Vorfeld intensiv mit den korrekten, klassischen Schmarren-Zubereitungsmethoden beschäftigt. Situationsapplaus und das Anfeuern der Köche zeigten wieder, wie die Zuschauer mitfieberten. Der Wind konnte dem Schmarren nichts anhaben und so zeigten sich die Köche zuversichtlich. Doch was zeigte schlussendlich die Waage?

155 Kilogramm! Geschafft, jedoch war es noch nicht Zeit für das Aufatmen, erst musste noch die Jurorin eine prüfende Runde um die Schmarrenpfanne drehen, bevor sie dann um 15:02 Uhr endlich verkünden konnte: „Stubai, you are officially amazing!“. Die Hände gingen nach oben, Applaus und Jubel! Die Freude bei Beteiligten und Anwesenden war grandios. Die erste Portion Rekordschmarren erhielt die Jurorin, denn immerhin musste dieser auch schmecken, was sie mit einem herzhaften „lovely“ bestätigte. Die Waage zeigte dann, wie rasant das Gewicht wieder zurückging, in weniger als einer halben Stunde waren die 750 Portionen ausgeben und verspeist und es hätten locker noch 50 Kilogramm mehr sein können, nicht jeder konnte einen Bissen vom Weltrekordschmarren ergattern. Mit dem Schmarren gingen rund € 8.000,- Spenden für Licht ins Dunkel ein. Somit war das Fest auch in dieser Hinsicht ein voller Erfolg. Egal ob der einstige Rekordhalter von 2009 (119 Kilogramm), die Weltstadt Wien, das Stubai nun zu einem Schmarrenduell herausfordert oder nicht, der Termin für das nächste Stubaier Kaiserschmarrenfest steht fest: Am Samstag, 01.10.2016 heißt es im Stubai wieder „alles Schmarren“.

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