Der 22. Oktober 2016 wird als mein persönlicher Premierentag in meinem gedanklichen Tagebuch festgehalten. In mehrerlei Hinsicht: Es war mein erster Skitag der beginnenden Wintersaison, im Snowpark Stubai Zoo hat die achte Stubai Premiere stattgefunden und das Wichtigste – ich bin an diesem Tag zum ersten Mal mit der neuen 3S Eisgratbahn auf den Stubaier Gletscher gefahren.

Seit meiner letzten Fahrt mit der alten Eisgratbahn Anfang April 2016 habe ich den Bau der neuen Dreiseil-Umlaufbahn nur über das virtuelle Bautagebuch auf der Homepage des Stubaier Gletschers mitverfolgt. Die ebenfalls dort angezeigte Countdown-Uhr zählte die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden runter bis zur Eröffnung der Bahn, ließ meine Neugier gleichzeitig jedoch stetig wachsen.

Am Tag der Stunde Null habe ich mich dann frühmorgens auf den Weg gemacht. In weiser Voraussicht habe ich meine Skiausrüstung bereits am Vortag ins Auto geladen. Mir schwante schon, dass ich nicht alleine auf der Straße zum Gletscher und zur neuen Bahn sein würde. Etliche Schifahrer und Snowboarder taten es mir gleich. Das Verkehrsaufkommen um kurz nach acht Uhr war bereits beträchtlich, aber trotzdem flüssig und so dauerte es nicht viel länger als sonst bis ich den letzten Tunnel zum Gletscher passiert hatte. Erst hätte ich fast vergessen gleich nach einem Parkplatz zu suchen, war ich es doch gewohnt bis hoch zur kombinierten Talstation der Gamsgarten- und der Eisgratbahn zu fahren. Die freundlichen Parkeinweiser ließen mich aber wieder an die neue Situation erinnern: Wer mit der 3S Eisgratbahn ins Skigebiet fährt, kann sein Auto in unmittelbarer Nähe zur neuen Talstation stehen lassen. Shuttlebusse werden (fast) nicht mehr benötigt.

Elegant und unaufdringlich schmiegt  sich das Gebäude in das umliegende Panorama ein. Die dezent gehaltene Fassade der Talstation erinnert an ein modernes Museum. Nur die lautlos ausfahrenden Gondeln lassen erkennen, dass sich im Inneren des Gebäudes die derzeit sicherlich modernste Seibahntechnologie der Alpen befindet. Diese ist aber mindestens genau so sehenswert wie ein Van Gogh oder Ähnliches.

Nach meinem fliegenden Wechsel von den Straßen- in die Skischuhe und geschulterten Skiern gings sogleich zum Einstieg der neuen Bahn. „Wenn ich schon nicht der Erste bin, so will ich doch auch nicht lange am Drehkreuz anstehen müssen“, dachte ich zumindest. Dieses klischeehafte Denken kann ab sofort ad acta gelegt werden. Zumindest bei der 3S Eisgratbahn am Stubaier Gletscher. Der gut gefüllte Einstiegsbereich leerte sich dermaßen schnell, dass ich fast nicht bemerkt habe wie ich in die Gondel gekommen bin. Durchs Drehkreuz – Einsteigen – Platz auf den Echtledersitzen von Pininfarina nehmen – Tür zu – Abfahrt – Genießen. Das war der Ablauf der ersten paar Minuten an der neuen Eisgratbahn.

In der Gondel überkam mich unvermittelt das Gefühl, ich wäre in ein neu gekauftes Cabriolet eingestiegen: Es duftete nach Leder und die glasklaren Panoramascheiben ermöglichten eine derart ungestörte Aussicht auf die hochalpine Bergwelt, dass man glauben konnte frei in der Luft zu schweben. Dazu trug vor allem auch das unvergleichliche Fahrgefühl bei. Während der zwölf Minuten dauernden Fahrt gab es kein Geschaukel, Geknatter oder Geholper – nicht mal als wir über die Stützen oder in die Mittel- und Bergstation einfuhren. Während der flüssigsten Gondel-Fahrt meines Lebens war ich regelrecht gefangen von den sich bietenden Neuheiten. Ich hatte nicht mal Zeit zu testen, ob das freie W-Lan in den Kabinen auch funktioniert.

Am Ende meiner Premierenfahrt war ich wirklich überrascht, dass diese schon wieder vorbei war. Das perfekte Wetter und die ebenso unglaublichen Bedingungen zum Schifahren lockten mich dann aber doch ins Freie und ich wusste ja, dass heute ja auch nochmal eine Talfahrt ansteht.

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