Ein schwarz Gewölk, durchflammt von hellem Blitz
Sah ich des Hagels Streifen näher zieh’n.
Der Sturm fuhr eisig kalt in mein Gesicht;
Nach Hause war’s für heut zu spät, ich fasste
Stock, Büchse rasch, bald spornten zum Galopp
Mich schwere Schloßen, bis des Hexenmeisters
Verfemte Hütte keuchend ich erreicht.
(Adolf Pichler, Der Hexenmeister, 1871)

 

 

 

 

 

Der Alpenraum ist voller Sagen, Mythen und Legenden, das Stubaital bildet da keine Ausnahme…   Sagenumwobenes Stubaital

„Sagen sind ein kostbares Stück Heimat und ein Bild der fantasievollen Volksseelen…
Mit den Sagen lebt die Landschaft, leben die Orte und Personen in oft wundersamen Geschichten bis in die heutige Zeit herein.“
Dr. Hermann Holzmann (1906-1971) – Heimatforscher

Orts- und Flurnamen haben verschiedenste Ursprünge, oft sind sie vorrömischen, romanischen, germanischen und keltischen Ursprungs (https://de.wikipedia.org/wiki/Tiroler_Ortsnamen)

Die Erforschung dieser Ortsnamen Tirols hat bereits eine lange Geschichte.

Namen sind verschiedensten Einflüssen ausgesetzt, durch ihre Verschriftlichung, die Lautverschiebung, eine Tendenz zur Vereinfachung (Droz für Medraz) oder gegenläufig zur Aufschwemmung (Zigidugga für Siduckh).

Viele neuzeitliche Straßennamen und Plätze im Stubaital erinnern an Persönlichkeiten, die meist außergewöhnliches und besonderes geleistet haben:

 

Josef Riehl Straße –  Josef Riehl  (1842-1917) Österreichischer Bauingenieur und Bauunternehmer & Stubaitalbahn und Grandhotel Stubai (an der Endstation)

Goetheruhe –  Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) – deutscher Dichter und Naturforscher

Gsaller Steig –  Carl Gsaller (1851-1931) österreichischer Alpinist aus Innsbruck, der die Kalkkögel ausführlich beschrieben hat

Adolf-Pichler-Hütte –  Adolf Pichler (1819-1900) – österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler (Aus Tiroler Bergen) – „Als Alpenforscher werde ich nicht klanglos verschwinden.“

Clemens Holzmeister Kapelle (Schlickeralm) – Clemens Holzmeister (1886-1983) – österreichischer, in  Fulpmes geborener Architekt

Gregor Schlierenzauer Platz – Gregor Schlierenzauer – einer der erfolgreichsten Skispringer unserer Zeit

und viele mehr…

 

Die Namen der hochalpinen Hütten im Stubai sind meist den Alpenvereinssektion denen sie unterstehen gedankt:

Nürnberger Hütte – Starkenburger Hütte – Dresdner Hütte – Regensburger Hütte – Bremer Hütte

 

 

 

 

 

 

 

Aber es gibt auch viele Namen, die einen ganz anderen Ursprung haben:

Viele kommen aus der Stubaier Mythen- und Sagenwelt:

Wobei gerade einer der bekanntesten Berge, unser Torwächter, die Serles, „wahrscheinlich“ nicht nach dem Riesen oder Ritter/König  Serles  und der Sage benannt wurde,

Der wilde Ritter Serles soll einst mit seinen Söhnen, Pferden und Hunden das Weidevieh eines Bauern zu Tode
gejagt haben, so dass dieser einen Fluch aussprach. Der Zorn des Himmels rächte die Untat und deshalb steht
jetzt, wo einst sein Schloss war, der wilde Ritter mit seinen Söhnen versteinert in Form der zerrissenen Serlesspitze
und ihrer Nebengipfel da. Die Zacken des dreiteiligen Gipfelaufbaus verbildlichen die Sage um den König Serles.

… sondern wissenschaftlich die gleichen lateinischen Wurzeln hat wie die spanische Sierra (Bergkette).

Medrazer Stille – Ortsteil von Medraz/Fulpmes

So erzählt die Sage: Ob es ein paar hundert oder tausend Jahre her ist, weiß heute niemand mehr. Damals jedenfalls stand zwischen Medraz und Kampl ein schönes, durch Gold- und Silberbergbau reich gewordenes Dorf mit Namen St. Margarethen. Die ursprünglichen Bewohner waren einfache tief gläubige Bauern. Als sie erkannten, dass man durch die Erzgewinnung ein besseres Leben erreichen kann, schlugen sie Stollen am Brand, am Margarethen- und am Seibach.

Nicht jeder konnte jedoch den Reichtum verantwortungsbewusst nützen. Der Neid machte sich breit unter den Nachbarn. Die alten Leute wurden ausgelacht, als sie davor warnten, den Schutzwald am Margarethenbach abzuholzen, um Grubenholz zu gewinnen.

Sonn- und Feiertage wurden nicht mehr gehalten. Anstatt den Gottesdienst zu besuchen, trafen sie sich im Wirtshaus zum Saufen, Fressen und Raufen und sangen Spottlieder auf den Glauben. Auch die Frauen waren ausgelassen und folgten dem schlechten Beispiel. Alle aßen mit silbernen Löffeln und protzten mit dem neuen Reichtum und dem vielen Geld. Sie spielten mit goldenen Kegeln.

Der Bach, welcher durch das Dorf floss, hieß Margarethenbach. Die Leute vergaßen auch die Schutzpatronin St. Margaretha, die dem Bach und der Kirche ihren Namen gab. Die Kirche ließen sie verlottern, den Bach nannten sie Mühlbach. Sein Wasser trieb aber keine Mühlen mehr, sondern Pochwerke, Schmieden und Blasbälge. Dieser Bach entsprang einem See unweit von Wildeben. Eines Tages brachten nur ein paar Männer mit ihrem Fuhrwerk das gewonnene Silber nach Innsbruck und Hall, um Waren und Salz einzutauschen und zu kaufen. Als die Männer gegen Abend wieder ins Stubai zurückfuhren, wurden sie Zeugen eines gewaltigen Naturereignisses. Das ganze Tal war in kohlschwarze Wolken gehüllt, aus denen mächtige Blitze hervorschossen. Die Männer trieben die Pferde zur Eile, doch die Pferde bäumten sich auf, als der Ruetzbach tosend über die Ufer trat. Die Brücken waren weggerissen und im Fluss trieben Tiere, Häuser und Menschen. Der große Karsee außerhalb von Wildeben war ausgebrochen und der abgeholzte Bannwald konnte keinen Schutz mehr bieten. Jetzt erinnerten sie sich der mahnenden Worte der Magd vom Gröbenhof, die sie einst davon gejagt hatten.

Zu ihrem Entsetzen waren weder der Kirchturm noch ein Haus zu sehen. Ein riesiger Murkegel mit haushohen Felsen bedeckte das einst stolze Dorf Margarethen. Die unheimliche Stille, die noch lange Zeit über diesem Unglücksort lag, ist bis heute als Ortsname erhalten geblieben: die Medrazer Stille.

Am nächsten Tag versuchten beherzte Männer nach Verschütteten zu graben, da entsprang eine Quelle von besonderem Geschmack. Sie sahen darin ein Zeichen des Himmels und beschlossen, an dieser Stelle zur Sühne für das sündige Dorf eine neue Kirche zu Ehren der heiligen Margaretha zu bauen. Das neue Dorf nannten sie Medraz, was so viel wie Weide oder Atzung bedeutet.

Der Wilde Pfaff, der Berggipfel neben dem Zuckerhütl, hat der Überlieferung nach seinen Namen von einem Geistlichen, der von der Jagdleidenschaft so sehr erfasst war, dass er sogar an hohen Festtagen den Gämsen nachstieg. Wegen dieses Frevels wurde er versteinert und schlummert zur Strafe unter dem ewigen Eis des Wilden Pfaffs.

 

Bärenbad – Oberbergtal

Der Bär und die Heilquelle: Im Oberbergtal, wo der Seebach mit dem Oberbergbach zusammenfließt. Liegt auf der linken Seite das Bärenbad. Vor vielen hundert Jahren, als noch Bären und Wölfe in dieser rauen Gegend hausten, schoss ein Jäger einen Bären an. Das verwundete Tier schleppte sich mühsam weiter, und der Jäger folgte vorsichtig der Blutspur. Seiner Beute bereits sicher, staunte er nicht wenig, als sich der Bär in einem Tümpel nahe einer Quelle wälzte und plötzlich gesund aus dem Wasser sprang und davontrottete.

Der Jäger lief eilig nach Hause und erzählte aufgeregt von dem Erlebnis und dem wundersamen Wasser. Bald suchten auch Menschen diese heilkräftigen Quellen auf und vielen wurde geholfen. Seither heißt dieser Ort Bärenbad.

Wilde Freiger – „Hohe Freuele B(erg)“ – nach Peter Anich. Bezugnehmend auf die Sage von den Saligen Fräulein – doch hängt der Name wohl mit der Jagd im Stubai zusammen „Freyge (=freie) Leut finden sich oft in Tiroler Urkunden des 14. Jhdt. Auch wurde das Gebiet unterhalb des Freigers „im freygen Gebiet“ genannt, also jedermann zur Jagd freigegeben.

 

 

 

 

 

 

 

Die Namenslandschaft des Stubaitales zeigt sich mit seiner alpinen Vielfalt vergleichbar.

Mein spezieller Tipp:
Wandern zu Sagen und Mythen im Stubaital von Peter Paul Lanthaler – Tyrolia Verlag, Innsbruck ISBN 3-7022-2562-5

Bilder:
TVB Stubai Tirol, www.sagen.at
Quellen:
Stubai – Karlheinz Töchterle – Tyrolia Verlag, Innsbruck
Wandern zu Sagen und Mythen im Stubaital von Peter Paul Lanthaler – Tyrolia Verlag,Innsbruck

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