Snowboarden im Stubai und Anne mit ihrem Snowboard

Es gibt so Dinge, bei denen wünschte ich mir manchmal, ich wäre auch cool. So richtig cool mein ich. So, dass andere Leute denken „boah, ist die cool“. Aber nee, das bin ich nicht. Eher so jemand, der denkt sie sei schon nicht sehr uncool und könnte auch einiges, aber naja, der Schein trügt. So sehr, dass erst in meinem Michelin-Weibchen-Superoutfit von Snowboard-Klamotten meine wahre Coolness zum Vorschein kommt. Nämlich in lila-schwarz-weißer Pracht. Oh yeah.

Klappe die Zweite ist das. Der zweite Versuch. Der zweite Anlauf. Die letzte Hoffnung. Ich schwinge mich noch einmal auf das Snowboard und gebe mein Allerbestes, um nicht komplett wie ein Vollhorst zu wirken. Der, also der Vollhorst, versteckt sich heute allerdings nicht. Das lila Streifenhörnchen ist auf dem Weg zum Tellerlift. Es robbt, es fällt, es schleicht. Gut, denke ich mir, wieder einmal habe ich den Mund einfach zu weit aufgerissen. Ich lerne es nie. Nie. Wirklich nie. Dabei sollte ich es ganz dringend lernen. Nicht nur meiner Pobacken wegen, auch wegen der kleinen Jungs, die sich in meinem Kurs befinden. Ich bin Schülerin der Schischule Neustift auf dem Stubaier Gletscher und war zu vorlaut. Deswegen hänge ich jetzt hier am Tellerlift, wie ein zitternder Fisch an der Angel, der versucht irgendwie loszukommen, es nicht schafft und immer wieder neu hinfällt. Aua. Die Jungs schauen so und ich würde am liebsten den tiefsten Schneeengel der Welt graben. Ganz schnell.

Ich merke, dass es gar nichts bringt einen Snowboardkurs zu machen und dann ein Jahr lang eine Pause einzulegen. Gar nichts. Ich war mal gut. Damals. Vor 12 Monaten. Jetzt eben nicht mehr. Zum Wohle der Jungs und meiner Knochen werde ich nach nur drei Anläufen auf dem Tellerlift in einen echten Anfängerkurs gesteckt. Und das ist ok. Keine kleinen Jungs, die sich von der uncoolen alten Schachtel aufhalten lassen müssen. Nur ich und die vier anderen, die, so glaube ich, in meinem Alter sind und mindestens genau so viel Respekt vor jeder einzelnen Bewegung auf diesem kleinen Brett haben, wie ich.

Ich fange gar nicht erst mit meinem Snowboardkurs an, den ich irgendwann mal gemacht habe, sondern starte als Anfänger. Als stolze Schülerin von Oli, einem Snowboardlehrer, der mir von der ersten Minute an sympathisch war. Nicht nur, weil er mich endlich, ja endlich, den Tellerlift hochgebracht hat. Nein, er ist einfach cool. Nicht obercool, sondern lässig cool. Einer, dem man zuhören will. Einer, der auch beim fünften Mal hinfallen noch die Hand hinhält und einem Mut macht.

snowboarden im stubaital stubai von oben Snowboarden im Stubaital - der Blick vom Lift Ausblick am Stubaier Gletscher
So sehr, dass wir am zweiten Tag bereits echte Pisten fahren. Im Enten-Slalom-Marsch, immer Oli hinterher, rutschen wir, manchmal boarden wir sogar, die Piste herunter. Und dann merke ich es: Dieses Gefühl auf der Haut. Gänsehaut. Stolz. Ich fahre wirklich auf einem Brett durch den Schnee. Hinter mir höre ich das Rauschen der Kanten von Skiern und Brettern im Schnee. Rechts und links blicke ich auf die Gipfel der Berge, die mich olles Stadtkind immer noch begeistern und vor mir, da grinse ich stolz auf unseren Lehrer, der unten wartet und uns zujubelt. Ja, das haben wir ganz allein geschafft. Ich lasse mich für einen Moment in den Schnee fallen, schaue nach oben in den blauen Himmel, genieße die Sonnenstrahlen, die einen feschen Abdruck meiner Snowboardbrille auf der Haut formen und genieße. Ein tolles Gefühl.

Snowboarden im Stubaital ist eine Sucht. Es macht süchtig, wenn man schon am Morgen am Lift mit einem Lachen und blöden Spruch begrüßt wird. Süchtig macht auch der Anblick, wenn man im Lift sitzt und die bis zu 3.210 Meter erklimmt. Und wer sich, so wie ich in das Stubaital verliebt, der hat eh schon gegen seine eigene Sucht verloren. Das Stubaital besteht aus insgesamt vier Skigebieten, den Serlesbahnen Mieders, dem Skizentrum Schlick 2000, den Elferbahnen und eben dem Stubaier Gletscher, der ist sogar Österreichs größtes Gletscherskigebiet und enorm schneesicher! Genug Platz also für endlose Schneeliebe.

Ich freue mich jetzt schon wie ein Schneehase auf das nächste Jahr und auf meine, hoffentlich vorhandenen, Erfolge auf dem Brett. Wenn nicht, dann muss Oli her. Der richtet das. Da bin ich mir ganz sicher. Denn der ist wirklich cool.

snowboarden im stubaital wolken in den bergen Snowboarden im Stubaital mit Anne und Rena snowboarden im stubaital

 

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